Rezension

Girls Names

Stains On Silence


Highlights: Karoline
Genre: Post-Punk // (Dark) Wave
Sounds Like: The Underground Youth // The Soft Moon // Beach Fossils

VÖ: 15.06.2018

Dass die 80er-Jahre seit geraumer Zeit wieder voll im Trend sind und die Popkultur fest im Griff haben, dürfte spätestens seit dem Release der Netflix-Serie Stranger Things jeder mitbekommen haben. Auch vor der Musik hat der 80er-Jahre-Zug keinen Halt gemacht. Girls Names ist eine weitere Band, die auf diesen aufgesprungen ist und sich im Post-Punk-Abteil einen Fensterplatz mit genug Freiluft gesichert hat.

Girls Names kommen aus Belfast, Irland, und „Stains On Silence“ ist das mittlerweile vierte Album der Band. Der Schaffensprozess von „Stains On Silence“ war kein einfacher: Nachdem die Vorgänger-LP von 2015 „My Arms Around A Vision“ das Trio unzufrieden und ausgebrannt hat stehen lassen, wandte sich die Band vorerst komplett von der Musik ab, ging regulären Jobs nach und musste einen Personalwechsel am Schlagzeug verkraften. Gereift durch diese Erfahrungen wurde die Arbeitsweise für die neuen Songs geändert. Diese wurden für „Stains On Silence“ aus einzelnen Fragmenten und spontanen Einfällen nach und nach an verschiedenen Orten vom eigenen Proberaum über die heimischen Räume von Sänger Cathan Cully bis hin zum Studio in Belfast zusammengeschustert. Das Ergebnis sind acht Songs auf 37 Minuten Spielzeit. Mit „A Moment And A Year“ wurde ein instrumentales Interlude eingefügt, das wesentlich zur Grundstimmung der Platte beiträgt: verträumt, düster, beklemmend. Die Songs bewegen sich alle im sicheren Schnittbereich zwischen Post-Punk und (Dark-)Wave, mal mit noisy Ausbrüchen („The Process“), mal eher düster dahinplätschernd („Fragments Of A Portrait“), insgesamt jedoch zu selten einen bleibenden Eindruck hinterlassend. Getragen werden die Songs vom geheimnisvoll verhallten Gesang von Sänger Cully: nie ganz greifbar, aber stets präsent hinter dem Vorhang von verhallten Gitarren, atmosphärischen Synthesizern und Orgelflächen. Oft benutzte Drum-Machine-Beats untermalen das Ganze, ohne dabei zu präsent zu werden.

Das ganze Album schwebt fast schwerelos vor sich hin. Lediglich im letzten Song „Karolin“ kommt eine gewisse Schwere und Greifbarkeit zu tragen, die dem Ganzen die nötige Dringlichkeit verleiht, die im Album leider zu kurz kommt. Ein monotoner Drumbeat verleiht dem Song einen gewissen Drive, sodass zum Ende des Albums aus dem Dahinschlummern doch noch ein Aufwachen und sanftes Mitwippen wird. Ansonsten wirkt „Stains On Silence“ über weite Strecken leider etwas beliebig: Zu gewöhnlich und festgefahren, um es Avantgarde zu nennen, zu unaufgeregt, um zwischen den vielen großartigen Veröffentlichungen der Sitznachbarn im Post-Punk-Abteil herauszustechen. Vom ursprünglichen, industriell geprägten Post-Punk der 80er-Jahre ist bei Girls Names 2018 nur noch ein Geist übriggeblieben. Da muss man aufpassen, dass sich dieser beim offenen Waggonfenster nicht gleich verflüchtigt.

Abhilash Arackal

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