Rezension

Get Well Soon

Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon


Highlights: If That Hat Is Missing, I Have Gone Hunting // I Sold My Hands For Food So Please Feed Me // We Are Safe Inside While They Burn Down Our House
Genre: Avantgarde-Pop
Sounds Like: Calexico // The Divine Comedy // Beirut // Nick Cave

VÖ: 18.01.2008

Es geschah am 20. Juli vergangenen Jahres auf dem Obstwiesenfestival bei Ulm. Auf der Zeltbühne spielte eine gewisse Band namens Get Well Soon. Auch keiner meiner Mitfestivalgänger hatte von ihr bisher etwas gehört und so harrten wir der Dinge, die da kommen mochten. Einzig der Spielplan verriet, dass die Band aus Deutschland käme. Eine Dreiviertelstunde und ein atmospärisches Konzert einer siebenköpfigen Band später stand fest, das soeben Gehörte war die Neuentdeckung des Obstwiesen, wenn nicht gar des vergangenen Jahres und es würde sich lohnen, sich in der post-Festivalzeit näher mit Get Well Soon zu beschäftigen. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellen sollte, gab es bisher ja nur EPs und das Debütalbum lag noch in weiter Ferne. Dennoch gelang Get Well Soon das, was sonst nur britische Hypebands vollbringen. Er spielte auf dem renommierten britischen Glastonburyfestival. Nicht schlecht für einen Oberschwaben. Einen? Auf der Zeltbühne standen doch sieben Musiker. Get Well Soon ist Konstantin Gropper. Er ist der Kopf der Band, und Get Well Soon ist sein Projekt der letzten vier Jahre.

Die Erwartungen an „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“, wie der Titel und auch die Prämisse des Debüts lautet, waren groß, daher wird der erste Hördurchgang auch entsprechend zelebriert. Das Glas Rotwein steht bereit, der Körper entspannt auf dem Bett und der Geist wird durch das hypnotisierende Wiederholen des Albumtitels im Präludium in der Welt von Get Well Soon begrüßt. Eine Welt voller Drama und Melancholie, doch stets mit einer Prise Zuversicht. Opulent instrumentierte Kompositionen, die den ganzen Pathos mit Geigen, Bläsern, elektronischen Samples und allerlei anderem Gerät aus der Instrumentenkammer in die Welt tragen. Beste Beispiele hierfür sind „You/Aurora/You/Seaside“ oder „If That Hat Is Missing, I Have Gone Hunting“ – welches auch in Helgas Audiothek zu hören ist. Doch es gibt auch eine andere Seite, wie in „I Sold My Hands For Food So Please Feed Me“. Leichte Klavierklänge, begleitet von der schicksalsschweren Stimme Groppers, um sich dann mit einsetzenden Schlagzeug und Glockenspiel in sanfte Höhen zu erheben und mit Hilfe befreiender Gitarren auf den Gipfel zu steigen. Auch bei „We Are Safe Inside While They Burn Down Our House“ stellt Gropper das Pompöse hintenan und schafft nur mit seiner Stimme und einer klagenden Trompete eine bedrückende Atmosphäre.

Die Referenzen, die sich auf der Platte ein Stelldichein geben, reichen von The Divine Comedy, die vom „People Magazine Front Cover“ strahlen, über die calexicoesken Bläser hin zu Beirut. Nicht zu vergessen, das wunderbare „Born Slippy Nuxx“, eine Hommage an Underworld, deren Song Gropper als das Lied seiner Generation bezeichnet. Zwar ist das Jahr 2008 noch jung und man sollte nicht zu voreilig sein, doch wage ich die Prognose, das mit „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon.” uns schon jetzt eine Platte für die Bestenlisten 2008 präsentiert wurde.

Thomas Raich

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