Rezension

Get Well Soon

Love


Highlights: Eulogy // Marienbad // It's a Mess // It's Love
Genre: Kammerpop // Indie // Avantgarde
Sounds Like: Beirut // Arcade Fire // Scott Walker

VÖ: 29.01.2016

Konstantin Gropper wendet den Blick von der Apokalypse ab und richtet ihn dem Konsensthema des Pop zu – der Liebe. Wo auf den Vorgängeralben sein orchestraler Kammerpop opulent den Weltuntergang vertonte, hat Gropper auf „Love“ den Sound minimalistischer und direkter produziert, was den Songs mehr Kontur verleiht. Ungewohnt hell und positiv kommen diese aus den Lautsprechern, ohne dabei aber dem Kitsch Raum zu geben.

„Eulogy“ besingt in einer eingängigen Melodieführung das Vorgehen eines Heiratsschwindlers und den Aufwand seiner Täuschungen.
In „It's A Catalogue“ besingt der Mannheimer dann eine Beziehungsgeschichte anhand von Souvenirs und lädt ordentlich 80er-Jahre-Keyboards ein. Dabei ist trotz aller Zugänglichkeit keiner der Songs einfach gestrickt und bietet musikalisch die typische Vielschichtigkeit von Get Well Soon. So tritt er im schleppenden „Marienbad“ zum Schluss einige Gitarrenverzerrer rein und bringt den Song damit druckvoll und laut zu Ende.

Get Well Soon hat mit „Love“ seine Pop-Platte gemacht, ohne dabei seine musikalischen Erkennungsmerkmale außer acht zu lassen. Das Thema „Liebe“ mit nur einem Tonträger zu erklären – wohl ein unmögliches Unterfangen. Konstantin Gropper gelingt dennoch das Kunststück, Facetten der Liebe angenehm ironiefrei zu intonieren, ohne dabei in schlagereskes Liebesgesäusel abzudriften. Vielmehr unterstreicht er wiederholt seinen Status als Ausnahmetalent in der deutschen Musiklandschaft und setzt damit ein erstes Ausrufezeichen im noch jungen Musikjahr 2016.

Sönke Holsten

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