Rezension

Fujiya & Miyagi

Ventriloquizzing


Highlights: Sixteen Shades Of Black & Blue // Yoyo // Pills
Genre: "Whisper Electro"
Sounds Like: Air // LCD Soundsystem

VÖ: 14.01.2011

Etwas unbeeindruckend zieht „Ventriloquizzing“, das neue Album von Fujiya & Miyagi an einem hinüber. Plätschernde, fast schwerelose Elektronikmelodien, gepaart mit trägem, teils lustlos anmutendem Gesang. Klingt furchtbar? Ganz so schlimm ist es dann doch nicht, allerdings in keinem Fall annähernd so gut, wie Fujiya & Miyagi sein können. Das haben sie nämlich zum Beispiel auf dem Vorgänger „Light Bulbs“ bewiesen. Auf dem neuen Album ist die Stimmung im Allgemeinen düsterer, die Songs sind weniger tanzbar, es scheint gerade, als ob jegliche Hit-Garantien vermieden werden sollten.

Ein paar Höhepunkte gibt es dann aber doch. So ist das antreibende und sarkastische „Yoyo“ sowohl schön anzuhören als auch anzusehen: Im dazugehörigen Video versucht ein Jojo-Künstler mit allen möglichen beeindruckenden Tricks die Konkurrenz auszustechen – und schlägt sich am Ende doch mit seinen eigenen Waffen. „You Change Your Mind When The Wind Blows // You Go Up And Down Like A Yoyo,“ singt David Best dazu und ermahnt wohl alle, die zu schnell zu Meinungsänderungen neigen, mal ein wenig in sich zu gehen, bevor man sich entscheidet. Falls jemand zu Entscheidungsschwierigkeiten neigt, helfen vielleicht „these little pills“ aus dem direkt folgenden Song „Pills“. Die Synthesizer schleichen sich mit leisen Tasten an und treiben das Lied langsam voran. Der Gesang, oder, besser gesagt, das Geflüster, kriechen durch die Ohren tief ins Kopfinnere und bleiben dort erstmal eine Zeitlang stecken.

Fujiya & Miyagi haben für ihr neues Album für jedes Bandmitglied eine eigene Marionette anfertigen lassen. Die Idee, Marionetten für sich sprechen zu lassen, passt ideal zum Titel des Albums: „Ventriloquizzing” ist ein Wortspiel aus den beiden englischen Wörtern „bauchreden“ (ventriloquism) und „ausfragen“ (quizzing). Und was bedeutet diese Wortneuschöpfung nun für die Band? „Ventriloquizzing comes from the idea of people speaking for you, like adults do with babies“, erklärt Sänger David Best. Auf die gesamte Gesellschaft bezogen kritisiert Best damit, dass alle Menschen oft als eine Einheit dargestellt werden, obwohl sie aus vielen unterschiedlichen Richtungen mit unterschiedlichen Gedanken kommen. Jeder sollte also das Recht auf eine eigene Meinung haben und nicht wie eine Marionette geleitet werden.

Es steckt also eine tiefere Botschaft hinter „Ventriloquizzing“. Um eine solche zu ergründen, braucht es oft ein bisschen Zeit. So auch für das Hören des Albums. Wenn man es nicht nach dem ersten Hördurchgang gelangweilt zur Seite legt, sondern ihm noch eine Chance gibt und es im Hintergrund weiter laufen lässt, wird man immer mal wieder auflauschen und doch noch viele nette Momente darauf erkennen.

Marlena Julia Dorniak

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