Rezension

Fujiya & Miyagi

Light Bulbs


Highlights: Das gerollte "R" // Knickerbocker // Pickpocket // Dishwasher // Pussyfooting
Genre: "Whisper-Electro"
Sounds Like: Hot Chip // Kraftwerk // Air // Aphex Twin

VÖ: 17.10.2008

Wer sich selber und seine Band nach einem japanischen Aufnahmegerät (Fujiya) und dem Namen eines Karate-Künstlers in einem japanischen Film (Miyagi) benennt, dabei auch noch oft verträumt und sphärisch klingt, und dessen Sound man nicht so recht zuordnen kann, der hat es wohl schon darauf abgesehen, dass Verwirrungen aufkommen. So kann man dann zum Beispiel Kommentare japanischer Fans auf Fujiya & Miyagis Myspace-Seite betrachten, die die Band selber wahrscheinlich nicht verstehen werden. Eigentlich sind die Herren rund um diese Konfusionen aber ganz normale Engländer, die fanden, dass ihre Namensidee niedergeschrieben ästhetisch ausschaut. Und schön klingt es auf alle Fälle auch. Da sehen wir dann auch darüber hinweg, dass das Buchstabieren oft Probleme bereitet.

Für ihr neues Album "Lightbulbs" haben sich Fujiya (Steve Lewis) und Miyagi (David Best) zusätzliche Verstärkung ins Boot geholt. Schon 2004 gesellte sich Matt Hainsby zum Bassspielen dazu und nun sorgt zusätzlich Lee Adams für noch mehr Soundvielfalt mit dem Schlagzeug. Am Stil der Musik hat sich allerdings nichts geändert. Die neuen Songs klingen immer noch unverkennbar nach Fujiya & Miyagi. Spätestens, wenn man David Bests grandios gerolltes "R" oder die treibenden Beats, die nur so daher grooven, hört, weiß man, wer da an den Synthies schraubt.

Die Worte "Vanilla, Strawberry, Knickerbocker Glory / Vanilla, Strawberry, Knickerbocker Glory / Vanilla, Strawberry, Knickerbocker Glory" in gefühlter Unendlichkeit eröffnen das Album. Und wie passen diese Worte nun zusammen? Erzählt wird von Kindheitserinnerungen. Vom Vanille- und Erdbeereis-Essen, Hans-Christian Anderson und Lena Zavaroni, einem schottischen Popsternchen, die man im Fernsehen bewunderte. Geflüsterte Lyrics, ein eingängiger Beat, alles umfängt den Hörer und hält ihn gefangen, bis er den Song nicht mehr aus dem Kopf bekommt und dabei auch noch anfängt, mit den Füßen zu wippen.

"Uh" klingt unverschämt funky, es startet, es stoppt, es stolpert und wackelt daher, und zack, ist es auch schon wieder vorbei. "Pickpocket" basiert auf einem flirrenden Schwarz-Weiß-Film von Robert Bresson - und genau danach klingt es auch. Die Töne flirren umher und Best spielt geheimnisvoll mit seiner Stimme, während er singt: "You Know / You Should´nt Put Your Hands Into Other Peoples Pockets". "Goosebumps" ist ruhiger und erzeugt mit seinen unendlichen Weltall-Weiten-Synthie-Tönen, die sehr an Songs von Air erinnern, gerne auch mal eine Gänsehaut. In "Rook To Queen´s Pawn Six" bekommt man endlich Bests lang ersehntes "rrrr" zu hören. Wahrscheinlich gibt es keinen Menschen, der schöner "Characteristics" sagen kann. Passend dazu werden immer wieder kleine treibende Trommelwirbel in das sonst gelassen wirkende Lied eingespielt. "Sore Thumb" klingt nach Rumba und Funk gepaart mit Elektronik, und genau da macht auch "Dishwasher" weiter, dessen Händeklatschen und Klopfen an tausende Wassertropfen, die auf Töpfe in der Spülmaschine herunter regnen, erinnert.

"Pussyfooting" erinnert, wie auch andere Lieder auf "Lightbulbs", an Hot Chip, wenn die einzelnen Worte stark betont werden und der Beat dazu zum Tanzen bringt. Aber selbst wenn sie ähnlich klingen, so brauchen Fujiya & Miyagi keine Angst vor Verwechslungen zu haben, denn das "rakataka-ta", "takataka-uh" und "ha! ha!" verrät, dass es sich um keinen anderen handeln kann. Die Zeile "If Today Is The Same As Yesterday / Tomorrow Will Be The Same As Today" verrät schon durch den Text, dass der Titelsong "Lightbulbs" wunderschön melancholisch klingt. "Hundreds And Thousands", ein vierminütiges, durch Synthies angetriebenes Instrumentalstück, bietet den perfekten Abschluss für "Lightbulbs". Oder aber den perfekten Antrieb, um nochmal von vorne an zu fangen. Wer möchte schon nicht gerne noch ein Mal in Eiscreme-Erinnerungen schwelgen? Also los!

Marlena Julia Dorniak

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