Rezension

Fontaines D.C.

Dogrel


Highlights: Sha Sha Sha // Too Real // Boys In The Better Land // Dublin City Sky
Genre: Indierock // Postpunk
Sounds Like: Shame // The Jam // The Clash // Iceage

VÖ: 12.04.2019

Die etwas Älteren werden sich erinnern: Vor ziemlich genau 15 Jahren hatte Indie-Rock seine absolute Hochphase. Bands schossen wie Pilze aus dem Boden und legten in den meisten Fällen Debütalben hin, die in Sachen Hitdichte ihresgleichen suchten. „A Certain Trigger“, „Silent Alarm“, „Franz Ferdinand“, „Employment“... und wie sie alle hießen. Danach ging es mit eigentlich allen Bands aus dieser Zeit qualitativ stark bergab. Irgendwie bekam niemand mehr eine Platte hin, die von vorne bis hinten überzeugen konnte, geschweige denn randvoll war mit potenziellen Hits. Doch die Wartezeit ist jetzt vorbei.

Die Fontaines aus Dublin City haben mit ihren ersten Singles bereits im vergangenen Jahr hellhörig gemacht und wer in den Folgemonaten die Band live gesehen hatte, wusste schließlich Bescheid: Diese Band ist the real deal. Fünf blutjunge Iren, die es tatsächlich schaffen, gleichzeitig wie abgeranzte Punker aus dem nächsten Pub und die melodieverliebteste Indiepop-Band der Welt zu klingen. „Dogrel“ setzt da noch mal ein dickes Ausrufezeichen drunter.

Nicht mal zwei Minuten braucht die Platte, bis sie auf Betriebstemperatur kommt. „Big“ fällt direkt mit der Tür ins Haus. Das Schlagzeug pumpt, die Gitarren könnten lässiger nicht sein und Sänger Grian Chatten skandiert immer wieder „Dublin in the rain is mine!“. Der Frontmann ist mit der stoischen Erzählweise, in der er seine Lyrics präsentiert, sowieso noch mal ein Fall für sich. Man kann sein außergewöhnliches Charisma buchstäblich vor Augen sehen (und sich letztendlich live davon überzeugen lassen).

Danach geht es Schlag auf Schlag. „Sha Sha Sha“ ist das beste Stück von The Clash, das die Band selbst nie geschrieben hat. „Too Real“ und „Hurrican Laughter“ sind prädestinierte Ausrastsongs, bei denen in den Konzertlocations mehr Schweiß als sonstwas vergossen werden wird. Aber damit kein falscher Eindruck entsteht: Fontaines D.C. sind keine reine Partyband zum Abschießen. Zum Glück nicht! Die Iren zeigen auf „Dogrel“ durchaus auch eine ausgeprägte melancholische Seite. „Roy's Tune“ und der fantastische Abgesang „Dublin City Sky“ ganz am Ende des Albums zeigen, dass in dieser Band ein unglaublich facettenreiches Potenzial steckt.

Sollte man einen Song aus dieser Hitsammlung noch mal besonders hervorheben, dann sicherlich „Boys In The Better Land“. Für das Album extra erneut in einer schnelleren und noch energiegeladeneren Version aufgenommen, fünf Minuten Ekstase pur, die man einfach so laut wie möglich genießen muss. Ein Song des Jahres, ohne Wenn und Aber.

Natürlich kann und muss man vielleicht sogar die Halbwertszeit von „Dogrel“ in Frage stellen. Gerade weil jeder einzelne Song auf dieser Platte so verdammt leicht ins Ohr geht und man in der Vergangenheit ja oft genug erlebt hat, was aus diesen anfangs unbeschwerten Bands so wird. Aber ganz ehrlich, warum muss es musikalisch auch immer interessieren, was morgen ist? Die Fontaines D.C. sind eine Band, um den Moment zu leben. Und nach „Dogrel“ wird der kaum noch besser werden.

Benjamin Köhler

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