Rezension

Fever Ray

Fever Ray


Highlights: If I Had A Heart // When I Grow Up // Seven // Triangle Walks
Genre: Fragile Dark Electronica
Sounds Like: The Knife // Björk // Leila // Kate Bush

VÖ: 27.03.2009

Wie klingt es, wenn eine 33-jährige Schwedin, die glückliche Mutter zweier Kinder ist, sich acht Monate Zeit nimmt, um ihre Tagträume in Musik festzuhalten? Vielleicht ein wenig nach Gute-Laune-Pop? Oder auch mal mit einem Kinderlachen im Hintergrund? Bei Karin Dreijer Andersson sieht es anders aus. Düster klingt ihre Musik und schwer elektronisch. Dennoch ist sie nicht beklemmend, sondern faszinierend und eindrucksvoll. "When you work with music, you have the possiblility to create magic", sagt Karin Dreijer Andersson. Und genau das hat sie vollbracht. Magische Musik hat sie erschaffen, von der man sich nur zu gerne verzaubern lässt.

Nur zu leicht lässt es sich in Fever Rays Welt eintauchen, wenn man sich ihre Musikvideos anschaut. In beiden bisher veröffentlichten, wird man in märchenhafte Phantasien entführt. Möglicherweise wirken sie beängstigend, aber da ist ja immer noch Karin Dreijer als Lichtpunkt, die einen in die echte Welt zurückholen kann. Geradezu ein Fieber-Traum ist das Video zu "When I Grow Up", in dem Karin Dreijer beschwörend auf dem Sprungbrett eines Garten-Pools steht, in dessen Wasser welkes Laub schwimmt. Je dunkler der Himmel sich färbt, desto mächtiger scheint das Wesen des Wassers zu werden, welches zu bekämpfen gilt. Geschmückt mit bunten Stoffen und weißer Farbe im Gesicht, tanzt Dreijer grazil auf dem schmalen Brett, und wirkt damit ähnlich bezaubernd wie Björk.

Auch das "If I Had A Heart"-Video erzählt eine kleine Geschichte. Durchschaubar ist sie nicht, aber sie fesselt den Zuschauer und Zuhörer, wenn er die übermenschlichen Gestalten sieht, dunkle elektronische Bässe dazu pochen und Dreijers dumpf verzerrte Stimme fast unverständlich klingt. Auf ihrem Fever-Ray-Album spielt sie gerne mit der Verfremdung ihrer Stimme. Mal klingt diese dunkel und tief, dann wieder übertrieben hoch. Geheimnisvoll wirken die zehn Songs, eben genau wie sie werden sollten: nämlich magisch.

Ihre ersten Schritte in die musikalische Öffentlichkeit machte Karin Dreijer Andersson im Jahre 1994 mit ihrer Indie-Rock-Band Honey Is Cool. 1999 gründete sie mit ihrem Bruder Olof Dreijer das Elektro-Duo The Knife, mit dem sie vor allem mit ihrem 2006 veröffentlichten Album "Silent Shout" große Erfolge einspielten. Nachdem sich beide etwas zurückgezogen hatten, Karin sich Mutterschaftsurlaub gönnte und sich vorgenommen hatte, ein wenig Pause vom Musik-Business zu machen, sprudelten nun erst recht die kreativsten Ideen aus ihr heraus. So entstanden einige neue Songs und die Grundlage für ihr Solo-Projekt Fever Ray. Noch unklar darüber wie die unfertigen Ideen vollendet werden sollten, brachte sie die eine Hälfte davon zu Christoffer Berg, der auch zuvor The Knife geremixt hatte, und die zweite Hälfte zu Stockholms Produktions-Duo Van Rivers & The Subliminal Kid.

Die Aufteilung der Lieder auf verschiedene Produzenten, scheint sich auch bei der Verteilung der Sound-Vorlieben auf dem selbstbetitelten Album "Fever Ray" bemerkbar zu machen. Während die ersten 5 Songs eher sphärisch daher flirren und teils stark nach The-Knife-Strukturen klingen, aber wesentlich gediegener und ausgeglichener, entführen die weiteren fünf Lieder in eine zweite geheimnisvolle Welt, in der Bongo-Klänge und Pan-Flöten an sich in Trance musizierende Indianer in den Weiten Amerikas erinnern. So endet "Fever Ray" auch schließlich mit "Coconut", einem Track, der den Hörer durch weit entfernte Adler-Schreie und unglaubliche Sound-Weiten mit ein wenig Phantasie in die Höhen der Grand Canyons bringt.

Marlena Julia Dorniak

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