Rezension

Fazerdaze

Morningside


Highlights: Take It Slow // Lucky Girl // In My Room
Genre: Indie-Pop // Kiwi-Pop
Sounds Like: The Courtneys // Hinds // Hazel English

VÖ: 05.05.2017

Amelia Murray sieht exotisch aus, stammt aus Neuseeland und als Fazerdaze ist sie gleichzeitig Songwriter-Musikerin-Produzentin-Schweizer-Taschenmesser. Das allein sorgt bereits für reichlich Aufmerksamkeit. Nun veröffentlicht sie nach einer vielbeachteten EP ihr Debütalbum „Morningside“.

Wie Nerds wissen, ist Neuseeland nicht bloß „Lord of the Rings“-Kulisse, Rugbyobsession und ein exklusives Tierartenbiotop, auch musikalisch hat die kleine Insel einiges zu bieten. Seit den Achtzigern gibt es den so genannten Kiwi-Pop, eine entspannte und melancholische Spielart des Indie-Rock, welche maßgeblich den Klang der großen US-Slackerwelle der Neunziger beeinflusst hat. Dazu gehören The Clean, The Bats oder die Verlaines, die alle auf dem Kultlabel Flying Nun ihre wichtigsten Alben veröffentlichten. Murray, die in Auckland lebt, ist nun auch in dieser naheliegenden Traditionsheimat angekommen. Dass ihre Musik allerdings keineswegs ein wirres Nischendasein für akustische Exotenjäger fristen soll, verdeutlicht die Tatsache, dass dieses Album in Deutschland tatsächlich auf Grönland Records – ja, dem Label von Herbert Grönemeyer – erscheint.

„Morningside“ passt hervorragend in den momentan grassierenden Mädchenmusik-Trend. Egal ob Hazel English, Hinds, Chastity Belt: Sängerinnen, die häufig klar feministische Texte vortragen, sind gerade angesagt. Fazerdaze ist weniger kämpferisch, stattdessen bleibt Murray vor allem introspektiv. Diese Intimität spiegelt sich auch in der Aufnahme wider, welche die Instrumentierung sich wie eine warme Decke über die Lieder ausbreiten lässt. „Morningside“ verströmt Heimeligkeit und erinnert an verregnete Sonntagsnachmittage bei Tee und guter Literatur. Egal ob „Take It Slow“ oder „Lucky Girl“, die Lieder können zwar euphorisieren, bleiben allerdings doch stets geerdet und vermeiden unnötige Hektik. „Morningside“ ist so der Soundtrack zum gediegenen Entspannen.

Amelia Murray hat hier ein gutes Album veröffentlicht, welches natürlich dann doch stets auf Nummer sicher geht und fast zu handzahm ist, um auch bloß niemanden anzupinkeln. Ein bisschen langweilig? Schon. Aber halt auch sehr, sehr schön.

Yves Weber

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Musikvideo zu "Take It Slow"

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