Rezension

Esmerine

Mechanics Of Dominion


Highlights: Que Se Vayan Todos // La Lucha Es Una Sola
Genre: Postrock
Sounds Like: Set Fire To Flames // Do Make Say Thing // Explosions In The Sky

VÖ: 20.10.2017

Eingebettet in die Kunst des Montrealer Künstlers Jean-Sebastian Denis erscheint „Mechanics Of Dominion“, das sechste Album der Kanadier Esmerine, welche auf Constellation Records erscheinen. Wie typisch für die Künstler dieses Labels, ist Esmerine für die beteiligten Musiker im Grunde auch nur ein Projekt unter vielen. Zentral sind hierbei Bruce Cawdron von Godspeed You! Black Emporer und Rebecca Foon (A Silver Mt. Zion, Set Fire To Flames).

Das Artwork von „Mechanics Of Dominion“ kommt nun recht abstrakt daher. Das Gegenständliche ist dabei völlig aufgelöst, die verschiedenen Formen lassen höchstens erahnen, was die einzelnen Farbmuster abbilden sollen. Ins Auge fallen jedoch die prägnanten schwarzen Linien, welche das gesamte Kunstwerk zusammen halten. Einige der Spuren scheinen klarer, wenn man die Musik mit den Bildern verbindet. Die Bildelemente könnten die Instrumente verfremdet abbilden, welche den zentralen Sound des Kollektivs ausmachen. Ein verzerrtes Xylophon hier, ein gelber Farbfleck als Bläserandeutung da. Vielleicht ist es aber auch ganz anders, wer sich jedoch über die „Imbrications“-Serie weiter informieren möchte, kann dies hier tun: Imbrications

Während nahezu alle anderen Projekte der Musiker dazu neigen, lärmender, massiver, vielschichtiger zu werden, ist „Mechanics Of Dominion“ das genaue Gegenteil. Bei früheren Veröffentlichungen in Schwermut („La Lechuza“) oder träumerischer Melancholie („Dalmak“) badend, ist diese Platte nun sehr verschlankt. Es ist ein Album, das man gut nebenher hören kann, was als Urteil ja einerseits fast vernichtend wirkt, da es impliziert, dass eine Beschäftigung nicht so intensiv nötig scheint, wie es manchmal angebracht ist. Andererseits ist es jedoch auch schön, Musik zu haben, die eine gewisse Beiläufigkeit aufweisen kann und trotzdem schön ist. Trotzdessen ist diese Platte komplex aufgebaut und von handwerklich höchster Qualität.

Man kann „Mechanics Of Dominion“ nahezu jederzeit beginnen oder stoppen (außer im Jazzausflug „Que Se Vayan Todos“ vielleicht). Weder findet man sich in einem Wirbelsturm oder einer Wall of Sound wieder, noch muss man ewig warten, dass etwas passiert. Die acht neuen Stücke wirken wie aus einem gemeinsamen Guss. Jeder Moment zeigt, dass es sich um handwerklich hochwertiges Schaffen handelt. Genauso, wie die wirren und klaren Linien des Artworks alles und nichts sein können, ist „Mechanics Of Dominion“ ein Album, in das man viel Interpretieren kann, weil es viel Spielraum gibt.

Klaus Porst

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"Piscibus Maris" + "The Space In Between"

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