Rezension

Esmerine

Lost Voices


Highlights: The Neighbourhoods Rise // Funambule (Deux Pas De Serein) // My Mamma Pinned A Rose On Me
Genre: Postrock
Sounds Like: A Silver Mt. Zion // Godspeed You! Black Emperor // Grails

VÖ: 16.10.2015

Nach „Dalmak“ konnte eigentlich nichts Besseres mehr kommen. Das grenzüberschreitende Werk in Kollaborationen mit türkischen Musikern in Istanbul aufgenommen war und ist so wunderbar zusammen gestellt, stimmig und schön, dass Esmerine damit ihren Höhepunkt erreicht hatten. Trotzdem hört man als Band nicht so einfach auf und daher erscheint nun „Lost Voices“, das fünfte Album des Kollektivs aus Montreal. Esmerine erscheinen auf dem dortigen Constellation Records, daher finden sich wie üblich jede Menge Gast- und Dauermusiker diverser bekannter Bands ein. Colin Stetson gibt ein Gastspiel, Sophie Trudeau (Godspeed You! Black Emperor) oder James Hakan Dedeoglu, der auch schon bei „Dalmak“ mitwirkte.

„Lost Voices“ ist eine Kurzzusammenfassung dessen, was Esmerine bislang als ihren Sound definierten. Jedes der vier bisherigen Alben findet sich in einzelnen Stücken mal mehr, mal weniger repäsentiert wieder. Neu, aber auch in Konsequenz erwartbar ist die Lautstärke, zu der beispielsweise „The Neighbourhoods Rise“ greift. Zu erwarten vor allem deswegen, weil sowohl Godspeed You! Black Emperor, als auch A Silver Mt. Zion, aus deren Mitglieder sich Esmerine rekrutieren einst als streicherbesetzte Leisetreter starteten und mittlerweile lärmend den Ton im Post-Rock angeben. Nun wagen auch Esmerine den Schritt, gehen im ersten Titel von „Lost Voices“ gleich einmal in die Vollen und zeigen: Auch dies gelingt uns scheinbar ohne Mühen. Das folgende „A River Runs Through This City“ setzt noch weniger auf Streicher, als auf Gitarren und erinnert mit psychedelischen Untertönen streckenweise an Grails und OM.

In „Pas Trop Pas Tropes“ und „My Mamma Pinned A Rose On Me“ hämmert es sich wieder in den Vordergrund, das lang nicht so präsente Xylophon, welches das zentrale Element der ersten beiden Esmerine-Alben darstellte. Auf „Lost Voices“ bekommt es wieder seinen Platz – muss ihn sich aber mit anderen teilen. „Funambule (Deux Pas De Serein)“ ist das Stück, welches Dalmak zur Perfektion gefehlt hat. Einmal mehr verbinden Esmerine hier westliche Soundelemente mit orientalischen Einflüssen zu einem großartigen Miteinander. Zu guter Letzt greift „Lullaby For Nola“ die schwere Tragik von „La Lechuza“ auf, welches der verstorbenen Sängerin Lhasa De Sela gewidmet war.

Klaus Porst

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