Rezension

Esmerine

La Lechuza


Highlights: Sprouts // A Dog River // Little Streams Make Big Rivers
Genre: Postrock
Sounds Like: Set Fire To Flames // A Silver Mt. Zion // Godspeed You Black Emperor

VÖ: 27.05.2011

Esmerine waren schon immer ein Kind von Traurigkeit. Tiefschwarze Molltöne, schwere Streicherklänge, sanfte Klavierpassagen – Standard im Postrockkollektiv Constellation Records. Wie bei dem Label üblich, überschneiden sich auch hier die Mitglieder mit denen anderer Labelvertreter wie Godspeed You Black Emperor und A Silver Mt. Zion. „La Lechuza“ hat dazu noch einen traurigen Hintergrund: Lhasa de Sela, Gastsängerin auf einigen Songs, verstarb quasi in der Fertigstellungsphase. Ihr ist das Album gewidmet.

Gerade wegen der personellen Überschneidungen ist vieles vom Sound her natürlich bekannt. Jedoch ist bei Esmerine die Perspektive eine andere: Wirkten Godspeed und Co. allumfassend, brachial, monumental, die Makrowelt einnehmend, ist Esmerine der Gegenpart. Mikrokosmisch, detailverliebt, zart. Zu hören schon im Opener „Dog River“, bei dem eines der Hauptelemente ein Xylophon ist, dass bei Esmerine fest zum Repertoire verwendeter Instrumente zählt. „Last Waltz“ fängt die Atmosphäre einer sehr alten Spieluhr ein, der tieftraurige Gesang trägt sein übriges dazu bei, dass der Hörer sich wie im 19. Jahrhundert fühlt. „Trampolin“ reißt binnen Sekunden das Ruder herum, so leicht und locker holen die Harfenklänge den Hörer wieder zurück. Zu viel des Frohsinns ist aber nicht zu erwarten – das Quartett plus Gäste erweist Lhasa einen schweren Abgesang. Auch das Hauptstück, dass sie noch selbst einsingen konnte, „Fish On Land“, ist bedrückend, langsam und depressiv.

Wiedererkennungsmerkmale der Band sind der starke Einsatz von Xylophon und Streichersoli. Hier darf sich eine Violine in ganzer Schwere auch minutenlang entfalten, ohne dass, wie bei Godspeed, der Rest des Ensembles zu einem apokalyptischen Endzeitszenario anstimmt. Beachtlich ist es dennoch, wie Esmerine sich in einem doch sehr kleinen Feld entfalten können. Sind die Wege des Postrock im letzten Jahrzehnt vielfach ausgetreten worden – Esmerine bleiben, so scheint es, auf einer Lichtung stehen, die größtenteils in tiefen Schatten getaucht ist und vertonen das, was sich dort so abspielt.

Klaus Porst

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