Rezension

Esmerine

Dalmak


Highlights: Lost River Blues I/II // Translators Clos I/II // White Pine
Genre: Postrock
Sounds Like: Grails // OM // A Silver Mt. Zion // Godspeed You! Black Emperor

VÖ: 30.08.2013

Kaum eine Stadt weltweit kann den Ruf, jemanden für sich gefangen zu nehmen, so sehr beanspruchen wie Istanbul. Die Metropole ist seit Jahrtausenden Dreh- und Angelpunkt der Politik, Geschichte und des urbanen Lebens. Im Türkischen gibt es ein Wort, welches dieses völlige Eintauchen oder Absinken in etwas bezeichnet: „Dalmak“. So haben Esmerine ihr neuestes Werk benannt, denn auf der Durchreise zu ihrer letzten Tour ist ihnen genau das passiert. Nachdem sie zudem das Angebot bekamen, eine Kooperation mit lokalen Musikern einzugehen, verbrachten die Kanadier eine Weile in Istanbul und ließen sich vom Treiben der Stadt inspirieren. Das Resultat ist ein Album im typischen Stile Esmerines, das aber gleichzeitig auch völlig untypisch geraten ist.

Der Einstieg ist gewohnt, „Learning To Crawl“ basiert auf dem Zusammenspiel von Violine, Cello, Glockenspiel und Schlagzeug. Je tiefer man jedoch in das Album eintaucht, umso mehr gewinnen die orientalischen Einflüsse klassischer türkischer Musik die Oberhand. In Stücken wie „Lost River Blues“ oder „Translators Clos“ tauchen plötzlich Instrumente wie Darbuka, Erbane oder Bendir auf und verleihen dem eher getragenen Sound von Esmerine eine ganz neue Intensität. Waren die bisherigen Werke, gerade das düstere „La Lechuza“ vor allem Alben, die im Stillen aufgenommen und auch abgespielt wurden, drängt es „Dalmak“ geradezu in das Leben einer Millionenmetropole.

Macht sich der Hörer also eingangs noch allein auf die Reise, ist man spätestens nach einer Viertelstunde umgeben von so viel Geräuschen, Eindrücken und Wahrnehmungen, dass es schwer fällt, dem Ganzen auf einmal Herr zu werden. Esmerine schaffen es mit „Dalmak“, aus dem Stand eine Atmosphäre zu erzeugen, die ein massives Fernweh weckt – eine bessere Werbung für diese Stadt hätte sich keine Touristikkampagne ausdenken können, zumal „Dalmak“ zwar mit Klischees spielt, diese aber nicht aufdrängt.

Klaus Porst

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