Rezension

Erdmöbel

No. 1 Hits


Highlights: Was Geht Muschikatz // Der Weg Nach Mandalay // Wieder Allein (Natürlich)
Genre: Indiepop
Sounds Like: Blumfeld // Samba // Mon)tag

VÖ: 25.05.2007

Es war nicht immer ein Spaß, wenn Deutsche Künstler vorrangig englischsprachige Welthits oder Chartstürmer ins Deutsche übersetzt und in den Hitparaden zum besten gegeben haben. Die Übertragung in unsere Sprache wirkte oftmals lächerlich, ohne auch nur eine Spur Witz oder Charme zu besitzen.

Und was ist das jetzt hier? - Nun, Erdmöbel sind für ihre spezielle Art von "Coverversionen" bekannt. "Nah Bei Dir" ist eine Adaption, die, schon etwas älter, sehr gefällig und somit für die vorliegende neue Platte doch eine Art Maßstab ist. Wenn Erdmöbel auf diesem Niveau weitergearbeitet haben, dürfte uns ein charmantes, amüsantes und sehr spezielles Album erwarten.

Tom Jones Klassiker "What's New Pussycat" heisst hier jetzt "Was Geht Muschikatz"...Ein Titel, der so spaßig und schräg instrumentiert rüberkommt, wie das Original. Bei Nirvanas "Smells Like Teen Spirit" sind die massgeblichen Gitarren durch Bläser/Hörner ersetzt, und der Text wieder sehr originalgetreu übersetzt worden. Das Lied verliert mit dieser nicht unspannenden Umsetzung - trotz der Schwere des Textes - die belastende Düsternis des Grunge.

Leider hat sich die Rezensierende an Jewels "One Of Us" im Original schon überhört, weil es seit Jahren so magenfreundlich im Radiomainstream mitfließt. Und diese Version wirkt leider auch nicht wesentlich spannender. Ähnlich ergeht es dann auch Kylie Minogues "Can't Get You Out Of My Head". Vielleicht liegt es aber auch daran, dass schon Jewel und auch Kylie niemals wirkliche Überzeugungsarbeit bei der Rezensentin leisten konnten. "Weil Du Fortgehst" - Erdmöbels sehr sympathische Adaption des 1974er "Porque Te Pas" - dem Sommerhit einer inzwischen vergessenen Jeanette, der aus einer Zeit stammt, als die Sommer noch heiß und die Zeitrechnung noch relativ jung war. Sehr stilvoll und schräg das Gebläseintro zur Erdmöbelversion von "A Whiter Shade Of Pale", dem auch schon inzwischen ausgelutschten Riesenhit der Procol Harum. Aber, he, wem das Original zu den Ohren raushängt, der sollte es wirklich mal mit dieser Variante versuchen...und nicht alles zu ernst nehmen.

Gut, "Mmm Mmm Mmm" der Crashtest Dummies verfolgt uns nun auch schon seit Jahren und lässt sich nur schwer abschütteln, zumal ja auch die Werbung gern bei derart einfach strukturierten Songs zugreift. Dennoch, diese Version wirkt schon durch die stimmliche Verfremdung, die wir wiederum seit Jahren von Cher kennen, und die deutliche Reduzierung der vielen Mmms und Mmms wesentlich charmanter. Ja, es ist wahr. Auch die unsäglichen Vengaboys bekommen ihren...Tribut. Und der bringt mal wirklich Spaß! Wirkt wie das Austoben eines Allenunterhalters an einer Heimorgel und führt das Original ad asurdum. Sehr fein! Robbie Williams "Road To Mandalay" - ein gewagter und geglückter Griff. Das Lied vermittelt die Sommerurlaubsstimmung und die Melancholie des Originals und wirkt doch so, als will es nicht ganz ernst genommen werden. Mit natürlichem 70er-Charme biegt Gilbert O'Sullivans "Alone Again (Naturally)" um die Ecke, Text und Musik passen perfekt zusammen und schaffen einen kleinen, charmanten Filmsoundtrack für den Kopf.

Unter normalen Umständen würde jetzt ein unmöglicher Break auf der Platte bejammert werden...schließlich folgt "Das Modell" von Kraftwerk. Aber es passt, die Adaption des Stückes fügt sich sehr gut in die Grundatmosphäre der Platte, verliert jede Eiseskälte und bleibt doch unverkennbar. Und es ist auch stimmig, hier einen Bee Gees-Klassiker zu wählen. "I Started A Joke" legt, wie auch schon einige der Songs zuvor, die traurige Grundstimmung ab, nimmt den Erdmöbel-Flair auf und wird zu etwas Neuem, ohne sich ganz zu verlieren. Und zum Schluß wartet noch einmal eine Extended-Version von Kylies "Can't Get You Out Of My Head" auf. Aber zu dem Lied wurde oben schon alles gesagt.

Ein Resümee? Das bringt Spaß, wenn man die Originalversionen loslassen und die Neuinterpretationen zulassen kann. Eine schöne Sommerplatte, der nichts peinlich ist und die gefälligst auch nicht überernst genommen werden sollte, damit sie funktioniert.

Silke Sprenger

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