Rezension

Erdmöbel

Kung Fu Fighting


Highlights: Bewegliche Ferien // Kung Fu Fighting // Club Der Senkrecht Begrabenen
Genre: Pop
Sounds Like: Element Of Crime // Wolke // Geschmeido

VÖ: 27.09.2013

Nicht selten bekommt man das Gefühl, dass Erdmöbel komplett in ihrer eigenen kleinen Welt leben. Es ist eine kleine, beschauliche Welt und für Außenstehende ist sie wahrscheinlich komisch anzusehen. Es ist eine Welt, in der man zu „Last Christmas“ einen deutschen Text dichtet und das Ganze dann als Single rausbringt – ohne, dass das Produkt nach Schlager oder Geldmacherei klingt. Eine Welt, in der Robin Batman die Prothesen hinterhertragen muss („Cardiff“) und in der im Video zur neuen Single weiter nichts zu sehen ist als ein offenbar nacktes Pärchen, das fleißig damit beschäftigt ist, Speichel auszutauschen. Es ist eine Welt, in der Erdmöbel ihr neues Album ganz ironiefrei „Kung Fu Fighting“ nennen.

Es ist der Nachfolger zum großen Erfolgsalbum „Krokus“ und Erdmöbel haben es sich damit wirklich nicht leicht gemacht. Von vornherein war nämlich klar, dass „Kung Fu Fighting“ auf jeden Fall anders sein soll als der Vorgänger, so anders wie möglich und dabei trotzdem noch nach Erdmöbel klingen soll. Herausgekommen ist ein Album, das so entspannt und spannend ist wie gewohnt, abwechslungsreich und wie immer voller kruder Texte, die mit ihrer Assoziativität und gleichzeitigen Zugänglichkeit schon immer das große Alleinstellungsmerkmal der Kölner waren. Das ist deutscher Pop der feinsten Sorte. Die meisten Lieder klingen leicht und unbeschwert, aber es gibt auch genügend Abwechslung: Etwas rockiger wird's im "Club Der Senkrecht Begrabenen", schunkelig bei "Vivian Maier" und melancholisch bei "Zollstockbad" und "Cardiff".

Der große Hit des Albums ist aber ganz unbestritten das Titelstück, das beinahe unverschämt schunkelnd daherkommt und sich sofort im Gehörgang festsetzt. Dass das auch nach dutzenden Durchgängen noch Spaß macht, liegt daran, dass es bei Erdmöbel immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Die Texte von Markus Berges sind trotz ihrer Kunstverbundenheit von einer einfachen Sprache geprägt. Und so kann man zwar ziemlich schnell mitsingen, doch es dauert eine ganze Weile, bis sich nach und nach der Sinn hinter den Lyrics offenbart – das ist das Spannende an dieser assoziativen Art des Textens. Gleichzeitig ist diese Besonderheit von Erdmöbel auch ihr größtes Manko. Sänger Berges gibt schließlich zu, dass selbst er manchmal nicht mehr weiß, was genau hinter dem ein oder anderen Text steckt. Und wer sich nicht auf diese Unsicherheit der Bedeutungen einlässt, der wird an Erdmöbel keine Freude haben. Wer keine Lust hat auf dieses Spiel mit Worten, Lauten und Erinnerungen, der wird auf „Kung Fu Fighting“ nur leichte deutsche Popmusik mit verwirrenden, scheinbar unzusammenhängenden Texten hören. Aber wer nur ein bisschen Zeit investiert, der wird belohnt mit Geschichten aus der Vergangenheit, über die Liebe und den alltäglichen Wahnsinn. Ein wenig Geduld – das ist alles, was es braucht, um auch in die kleine beschauliche Welt von Erdmöbel eingeladen zu werden. Es lohnt sich.

Lisa Dücker

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