Rezension

Drab Majesty

Modern Mirror


Highlights: A Dialogue // Ellipsis // Out Of Sequence
Genre: Synth-Pop // Wave
Sounds Like: Boy Harsher // TR/ST // The Cure

VÖ: 12.07.2019

Die 80er sind zurück. Das sagen wir jetzt (nicht nur musikalisch) schon seit einigen Jahren. Boy Harsher, TR/ST, Cold Cave, Austra... Sie alle haben den Synth-Wave-Sound über drei Jahrzehnte später erfolgreich wiederbelebt. Spätestens mit ihrem letzten Album "The Demonstration" haben sich auch Drab Majesty in diese illustre Riege eingereiht. Das schillernde Duo um Deb Demure und Mitstreiterin Mona D hat nicht nur direkt mit einer ausgefallenen Kostümierung für Aufsehen gesorgt, sondern vor allen Dingen durch einen unglaublich authentischen Retro-Sound viele Anhänger gewonnen.

Für "Modern Mirror" hat es Drab Majesty nun aus dem fernen Los Angeles nach Athen verschlagen. Dort sind große Teile des Albums entstanden und die mythenumwobene Stadt hatte dabei große Auswirkungen auf das erzählerische Gesamtkonzept. Ovids "Narziss" spielt die zentrale Rolle auf "Modern Mirror". Der Sohn des Flussgottes Kephissos war der Sage nach so sehr in sein eigenes Spiegelbild verliebt, dass er die Liebe anderer zurückwies. Die Neuinterpretation von Drab Majesty zieht sich durch das komplette Album, jeder Song erzählt einen Teil der Geschichte.

Musikalisch bleiben auf der dritten Platte des Duos natürlich Überraschungen aus. Aber wer möchte bitteschön auch irgendwelche stilistische Änderungen haben, wenn man einfach nur eiskalten Synthpop/Wave serviert bekommen will? Einzig "Long Division" wagt sich so ein klein wenig in Dreampop- bzw. Shoegaze-Gefilde vor. Ansonsten bietet "Modern Mirror" alles, was man von einer 80er-Reminiszenz erwarten darf: einen wunderbar atmosphärischen Opener ("A Dialogue"), einen waschechten Hit mit "Ellipsis", der sich in Zukunft auf der Tanzfläche zwischen Depeche Mode und New Order breitmachen wird, und mit "Noise Of The Void" eine bitterromantische Ballade, die genauso düster daherkommt, wie der Titel vermuten lässt.

Insgesamt nur acht Songs finden sich auf "Modern Mirror", aber genau das ist der große Vorteil dieser Platte. Seien wir ehrlich, Synthpop ist nun mal nicht der aufregendste Sound und es kann sich bei längerer Beschallung damit schnell Gleichklang und Langeweile einstellen. Das passiert durch die Kürze des Albums hier überhaupt nicht. Selbstverständlich muss man dennoch musikalische Zeitreisen in die 80er lieben, um mit der Musik überhaupt etwas anfangen zu können. Wem das taugt, der erlebt das bisher stärkste Werk von Drab Majesty.

Benjamin Köhler

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Video zu "Ellipsis"
Video zu "Oxytocin"

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