Rezension

DJ Koze

Reincarnations - The Remix Chapter 2001-2009


Highlights: Wechsel Garland – Swim (Kosi's Swim Edit) // Matias Aguayo – Minimal (DJ Koze Mix) // Hildegard Knef – Ich Liebe Euch (DJ Koze Remix) // Lawrence – Rabbit Tube (DJ Koze Remix) // Ben Watt – Guinea Pig (DJ Koze RMX)
Genre: Techno // Pop
Sounds Like: International Pony // Booka Shade // Nôze // Supermayer

VÖ: 06.03.2009

Es ist nicht nötig, Stefan Kozallas Musik zu mögen, um festzustellen: DJ Koze ist – und bleibt – einer der kreativsten Musiker, die sich in der Schnittmenge zwischen Techno, Electro und Indie bewegen. Von Fischmob über Adolf Noise und International Pony bis hin zu seinen Produktionen und Remixen zieht sich eine einheitliche Handschrift durch sein Schaffen. Sein ganz eigener Stil wechselwirkt mit dem Ausgangsmaterial bzw. im Fall von International Pony seinen Mitmusikern und bleibt doch offenbar.

Zuvorderst ist es ein verspielter Funk, den er den Stücken hinzufügt oder zugrunde legt. Die Auswüchse dieses funky Grooves lassen sich „augenzwinkernd“ nennen, aber es kann auch niemandem übel genommen werden, wenn er sie als ein klein wenig „kindisch“ empfindet. Es lässt sich vermuten, dass DJ Koze dies als Lob auffassen würde, denn ohne Zweifel ist er ein großes Kind. Ein ausgesprochen kreatives und in den besten Momenten musikalisch geniales.

Verpasste er im Jahr 2000 auf „Music Is Okay“ noch der Speerspitze der Hamburger Schule eine begeisternde Techno-Behandlung, verbessert „Swahimi, der Unerleuchtete“ auf „Reincarnations – The Remix Chapter 2001-2009“ Tracks seiner Kollegen Matthew Dear, Heiko Voss, Matias Aguayo, Lawrence, Nôze, Sascha Funke oder Ben Watt. Zudem finden sich Bearbeitungen von Battles' „Atlas“, Malaria oder zweier Wechsel-Garland-Songs. Das Deutsche beschränkt sich auf einen der Albumhöhepunkte: Hildegard Knefs „Ich Liebe Euch“.

Es kann den gesammelten Reinkarnationen vorgehalten werden, dass sie sich zwar mit großem Genuss hören lassen, dass aber unter den elektronisch technoiden Bearbeitungen eigentlich nur der Remix von Matias Aguayos „Minimal“ längerfristig hängen bleibt. Es erscheint fast unglaublich, aber Koze gelingt es, das eh schon fantastische Stück mit seinem Funk-Daumen noch einen Tick besser zu machen. Das Original rockt trocken brechend und überhaupt nicht minimal nach vorne, Koze mixt es zu einer fluffig dahincruisenden Hymne. Besser und länger erinnerlich als das Original gelingt auch sein Remix von Nôzes „Danse Avec Moi“. Eines der wenigen Highlights auf deren letztjährigem Album „Songs On The Rocks“ gibt Koze dem Stück noch einen Extra-Punch. Eher subtil dagegen verändert er Wechsel Garlands „Swim“. Es bleibt eine zierliche Pop-Perle und zeigt sich vollkommen entschlackt. Der „Broken CD-Mix“ fügt Garlands „Mutes“ eine leichtgängige Club-Tauglichkeit hinzu. Die älteste vertretene Arbeit ist Koze und The Tease’ Bearbeitung von Malarias „Kaltes Klares Wasser“ aus dem Jahr 2001. Mag sein, dass der Mix damals seiner Zeit voraus war, und es beinhaltet immer noch genug begeisterungswürdige Momente, doch heute ist es das einzige Stück auf „Reincarnations“ das eher schlecht gealtert ist.

Über jeden Zweifel erhaben zeigen sich die glamouröse Bearbeitung von Matthew Dears „Elementary Lover“, die Wärme in „Naked“ von DJ Koze vs. Sid LeRock und die Tiefe von Heiko Voss’ „Think About You“. Lawrence' „Rabbit Tube“ offenbart kaum Eingriffe des Remixers und der Remix von Battles' „Atlas“ hinterlässt einen unmathematisch und unrockend zwiespältigen Eindruck. Auch der „Mango Cookie Pink Moon Remix“ versucht vielleicht etwas zu sehr, den ursprünglichen Bpitch-Sound zu durchbrechen.

Die Einwände lassen sich zum Großteil darauf reduzieren, dass diese Auftragsarbeiten von Kollegen DJ Koze nicht soviel Freiheiten ließen, wie es bei „Music Is Okay“ und den Remixen von Blumfeld, Tocotronic oder Das Bo der Fall war. So findet sich auf „Reincarnations“ kein zweites Meisterwerk wie der „Moonboots Kick Ass Mix“ von „Clouds Across The Moon“, aber Kozes Mix von Ben Watts „Guinea Pig“ entschädigt für vieles und erreicht fast dieses Niveau. Episch, voller Wärme und ekstatischem Spannungsaufbau präsentiert dieser Mix Koze in Hochform, verspielt und voller Funk.

Oliver Bothe

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