Rezension

Dirk Massen

Avalanche


Highlights: Allewind
Genre: Klaviermusik // Neoklassik
Sounds Like: Yann Tiersen // Lang Lang // Chilly Gonzales

VÖ: 13.07.2018

Was ist das Geheimnis eines Musikers, der jeden Monat über 1.000.000 Klicks generiert? Maassen schafft es, alle Kanten sauber abzuschleifen. Wobei schleifen ein viel zu grobes Wort ist. Er poliert oder haucht. Wenn man das Album hört, vergisst man beinah, das man gerade Musik hört. Eben weil man nebenbei super etwas anderes tun kann. Es funktioniert wie eine akustische Heizung. Einem wird warm ums Herz – und ums Ohr. Nicht unangenehm heiß, eher wie Sonnenstrahlen, die durch heruntergelassene Vorhänge glühen. Es wird zwar warm, aber man verpasst das Beste – die Sonne.

Maassen macht viel richtig, zum Beispiel bei den zusätzlichen Instrumenten: Hier orchestrale Unterstützung, da fadoartige Gitarre. Hier Glockenspiel, da irgendwas anderes. Aber ein wirklicher Meister ist er in Unauffälligkeit. Unauffälligkeit und Unaufdringlichkeit. Man hat es nahezu mit der in Musik übersetzten Form eines Haussklaven zu tun. Er steht nie im Weg. Er hält sich im Hintergrund. Wenn man ihn benötigt, ist er zur Stelle. Musik! Er wird nie zu laut sein oder aus der Rolle fallen. Er ist geboren, um zu dienen.

Das ist fantastisch. Natürlich. Jeder weiß, wie schön es ist, wenn man einen Knopf drückt und es passiert genau das, was man will. Und die Musik führt sogar dazu, dass man sich nachdenklich fühlt, leicht melancholisch, aber beschwingt in die Zukunft blickend – beziehungsweise auf den Bildschirm. Nicht wie ein Sklavenhalter, nein, wesentlich elaborierter. Wie jemand, der dem Sklaven auf Augenhöhe begegnet und seinen eigenen Meister nicht kennt.

Peter Heidelbach

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