Rezension

Die Höchste Eisenbahn

Ich Glaub Dir Alles


Highlights: Kinder Der Angst // So Siehst Du Nicht Aus // Louise
Genre: Deutschpop // Indiepop
Sounds Like: Das Paradies // Moritz Krämer

VÖ: 16.08.2019

Die Höchste Eisenbahn um Moritz Krämer und Francesco Wilking gelten als die Sympathen des deutschsprachigen Indiepop. Das bewiesen sie nicht zuletzt, als sie ankündigten, dass sie statt eines typischen Releasekonzerts einen gemeinsamen Abend in Berlin und Hamburg veranstalten würden, bei dem sie neben Essen und Getränken ihre neuen Songs zum Besten geben würden. Diese standen für die Fans natürlich dennoch im Vordergrund, schließlich handelt es sich bei der Musik um das erste Album seit 2016.

Vollmundig kündigt schon der Opener an, dass alles “Aufregend Und Neu” sei, was an sich natürlich richtig ist, aber auch irgendwie nicht. Denn es ist nicht “neu” im Sinne von anders. Schon die ersten Klänge des Albums ziehen den Hörer ohne Umschweife in das Die-Höchste-Eisenbahn-Universum. Es macht glücklich, es ist tanzbar und knüpft nahtlos an die Vorgängerplatten an. Sowohl musikalisch als auch textlich sind keine großen Veränderungen zu erkennen. Hier ein Piano, ruhige Drums, das zieht sich durch die gesamte Platte. Mit viel Humor singen die beiden Frontmänner über Liebe, Glück und den Alltag – ganz unprätentiös. Dabei fällt es schwer, irgendwelche Songs in den Vordergrund zu stellen, da Die Höchste Eisenbahn ihre Stärke für das Schreiben von Hits und Ohrwürmern nicht verloren hat. Mal hat man einen ganzen Tag “Job” im Ohr, mal “Louise”, mal “37,5 Grad”.

Die zwölf Lieder auf “Ich Glaub Dir Alles” stehen also ganz im Zeichen der eigenen Tradition der Berliner Band. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass es überhaupt keine Entwicklung gab. Besonders das 80er-Jahre geprägte “37,5 Grad” und das ungewohnt ruhige und düster wirkende “Umsonst” zeigen, dass auch Die Höchste Eisenbahn experimentiert. Das alles jedoch immer noch in ihrem unverkennbaren, ganz eigenen Stil. Hätte man nicht noch so viel auf “Ich Glaub Dir Alles”, und wahrscheinlich auch noch auf den Vorgängern, zu entdecken, könnte schon glatt Vorfreude auf die nächste Platte aufkommen. Die darf auch gerne vor 2022 veröffentlicht werden.

Lewis Wellbrock

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