Rezension

Die Arbeit

Material


Highlights: Gott Generator // Haut, Knochen Und Gesichter
Genre: Post-Punk
Sounds Like: Die Nerven // Messer // Joy Division

VÖ: 21.02.2020

„Haut, Knochen Und Gesichter“ war ein Versprechen. Ein treibendes Schlagzeug, eine an Joy Division angelehnte, widerspenstige Melodie in den Strophen und ein Hau-Raus-Gitarrenriff im Refrain, welcher sich mit seiner eigentümlichen Textzeile („Ich höre Schritte, Schritte hinter der Wand / Ich höre Stimmen, Stimmen, unter der Hand“) unwiderruflich in die Gehörgänge hineingefressen hat.

Nun war natürlich die große Frage, ob die 2018 gegründete Band Die Arbeit dieses Niveau auf ihrem Erstling „Material“ halten können. Und hier kann man letztlich einen Haken dahinter machen, denn das Album wirkt fast durchweg wie aus einem Guss – voller direkter, zumeist minimalistischer Post-Punk-Perlen. Natürlich kommt man nicht drum herum, Querverweise zu anderen deutschsprachigen Bands zu ziehen, die musikalisch auch in dem Bereich zu Hause sind. Trotzdem haben die Dresdner einen Wiedererkennungswert geschaffen mit ihren tiefsinnigen Texten, die sogar manchmal an die frühen Tocotronic erinnern, dem trockenen Schlagzeugsound und dem großartigen Zusammenspiel aus dem oft tänzelnden Bass und den dunklen E-Gitarrenmelodien. Zudem bleibt die Band nicht in festen Schemata hängen, sondern liefert viele Querverweise in andere Genres, was sicher von ihrem Jamsession-Songwriting-Ansatz herrührt. Gutes Beispiel hierfür ist etwa das Ende von „Im Büro“, welches in psychedelischen Prog-Rock abdriftet, der an die Frühphase von Porcupine Tree erinnert. Oder das getragene „Keine Zeit Für Ironie“, welches nach drei Minuten auf einmal relativ unerwartet in einen sehr eingängigen Brit-Pop-Refrain mündet.

Nichtsdestotrotz bleibt natürlich der Post-Punk-Ansatz das Herzstück des Albums mit den teils desillusionierten Textpassagen und Parolen. „In jeder Uniform lebt ein Mann aus Plastik / Die Werte der Reform vergrößern deine Spastik“ heißt es etwa im Opener „Gott Generator“. Keine einfache Kost, aber im Zusammenspiel mit dem Riffspektakel, was die Band hier abfackelt, fügt sich Musik und Text zu einer perfekten Einheit.

Gegen Ende des Albums wird es gefühlt etwas weniger hitverdächtig. Trotzdem kann man den Dresdnern, die logischerweise ihre Deutschlandtournee in eben dieser Stadt starten, nur eines mit auf den Weg geben: Bitte mehr davon.

Marcus Schmanteck

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Video zu "Haut, Knochen Und Gesichter"
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