Rezension

Dido

Still On My Mind


Highlights: Hurricanes // Give You Up
Genre: Pop
Sounds Like: Natalie Imbruglia // Sophie Ellis-Bextor

VÖ: 08.03.2019

Die Ankündigung ihres sechsten Studioalbums “Still On My Mind” hat mich überrascht. Lange hatte man nichts von der Britin gehört. Dido war für mich immer eine Musikerin, die nur auf Single-Ebene funktioniert, das aber fantastisch gut. Ihre Songs stachen auf langen Autofahrten im Radio hervor, “White Flag” in “... Tatsächlich Liebe” bereitet auch beim tausendsten Mal Gänsehaut und mein achtjähriges Ich hatte etliche Male einen Ohrwurm von ihrem Part in “Stan”. Dass ihre Alben jedes Mal auf Spitzenplätzen in den Charts landeten, war mir bis vor einiger Zeit gar nicht bewusst. “Still On My Mind” ist persönlich also absolutes Neuland, betreten mit einer nostalgischen Faszination.

Schon die ersten Klänge werfen einen mindestens 20 Jahre zurück. Die fantastisch unaufgeregte Stimme Didos würde man wahrscheinlich aus Hunderten erkennen. Und auch musikalisch wirkt es nicht, als hätte Dido vor, irgendetwas zu ändern. Der erste Song “Hurricanes” besticht durch eine ruhige, eingängige Melodie, die zu Beginn nur mit Gitarre gespielt wird, im Laufe des Liedes durch ruhige Beats ergänzt wird, ohne dabei aufdringlich und anstrengend zu wirken. Ein wirklich guter Popsong, unter anderem mitproduziert von Rollo Armstrong, Didos Bruder und Mastermind von Faithless, der in dieser Form auch gut und gerne vor 20 Jahren herausgekommen sein könnte. Noch besser wird es bei “Give You Up”, das sich vor ihren alten Hits in keiner Weise zu verstecken hat. Die Vocals werden dieses Mal von einem Piano untermalt, im Refrain stoßen leichte Beats und chorische Klänge hinzu. Das ganze trifft genau den Nostalgie-Nerv.

Nicht alle zwölf Songs auf “Still On My Mind” sind Hits, was auch gar nicht notwendig ist. Dido schafft es, die Tracks nicht wie Lückenfüller wirken zu lassen und bastelt insgesamt ein durchaus organisches Album. Dass sie das Rad dabei nicht neu erfinden würde, war schon vorher klar. Sie hat aber bewiesen, dass die Top-Positionen in den Charts früher gerechtfertigt waren und sie nicht nur Singles kann.

Lewis Wellbrock

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Video zu "Give You Up"

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