Rezension

DeWolff

Thrust


Highlights: Big Talk // Once In A Blue Moon // Deceit & Woo
Genre: Bluesrock // Retro-Rock
Sounds Like: Rival Sons // The Black Keys

VÖ: 04.05.2018

Als DeWolff 2008 mit ihrer Debüt-EP erstmals auf den Plan traten, sorgte vor allem das junge Alter der drei Niederländer für Aufsehen. Der Schlagzeuger gerade mal 14, die anderen beiden 16 und 17 – nicht ganz die typische Altersstruktur einer Bluesband. Zwischen diesen Anfängen und „Thrust“ liegen zehn Jahre, sechs Studioalben und eine Live-Platte und trotzdem sind DeWolff immer noch gefühlt deutlich zu jung für das, was sie auf Album Nummer Sieben anbieten. Und wo wir schon dabei sind: Im stereotypen Sinne kontinentaleuropäisch klingt „Thrust“ auch nicht.

Als wäre die Uhr irgendwo in den USA auf 1975 stehengeblieben, musiziert sich das Trio durch alles, was der Retro-Fundus so hergibt – und wie. Ob beim knackigen Deep-Purple-Orgelrock im Opener „Big Talk“, im Südstaaten-Groove von „California Burning“ oder inmitten psychedelischer Sphärenmusik mit Gospelchor in „Once In A Blue Moon“: De Wolff lassen nie einen Zweifel daran, dass sie ihre Einflüsse von vorgestern nicht nur perfekt studiert haben und replizieren können, sondern daraus auch etwas grandioses Eigenes schaffen können.

Aus der Masse stechen DeWolff dabei nicht nur mit tadelloser Umsetzung des Retro-Gedankens heraus, sondern auch mit einer gewissen hibbeligen Ruhelosigkeit, die sich in der überdrehten Todesblues-Lyrik von „Tombstone Child“ ebenso äußert wie in „Deceit & Woo“, das einen Haken nach dem nächsten schlägt und dabei stets überraschend bleibt: Kommt nach der Steigerung der Songhöhepunkt? Nö, lieber vorher noch ein entspanntes Blues-Zwischenspiel und ein gniedeliges Gitarrensolo.

Es geht zwar auf „Thrust“ auch mal ruhiger zu, wie das schon genannte „Once In A Blue Moon“ oder „Freeway Flight“ beweisen. Was aber gar nicht geht, ist ein Song ohne Gitarren- oder Orgelsolo. Wer mit Muckertum nicht so viel anfangen kann, hört sich deshalb besser anderweitig um. Wer inspirierten, energiegeladenen Retro-Rock mit starkem Blues-Einschlag sucht, kommt um DeWolff aber nicht herum.

David Albus

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