Rezension

DEHD

Flower Of Devotion


Highlights: Loner // Haha // Disappear // Letter // No Time
Genre: Indie-Rock // Post-Punk
Sounds Like: Deeper // Shopping // The B-52s // The Velvet Underground // Talking Heads // Omni

VÖ: 17.07.2020

Es ließ sich erahnen, dass da etwas auf uns zu kommt. Nach ihrem bisher besten Album "Water" und der unglaublich starken Single "Letter" kündigten DEHD aus Chicago mit dem ersten Vorboten "Loner" ein neues Album an. Während die Gestaltung ihrer Covers durch zunehmende Hässlichkeit auffällt, wird die Musik immer noch ein Stückchen besser. Tatsächlich ist "Flower Of Devotion" ein so kreatives, ausdrucksstarkes und vor allem verdammt cooles Album geworden, dass es ein Anrecht auf einen oberen Platz in den Bestenlisten des Jahres hat.

Das erste, was an DEHD auffällt, ist der Gesang. Bassistin und Sängerin Emily Kempf weiß mit ihrer Stimme Dinge anzustellen, die einen direkt aufhorchen lassen. Wie spielerisch und abwechslungsreich sie – auch über die Grenzen des klassisch Schönen hinaus – ihre Gesangsparts ausfüllt, erweckt diese Songs erst zum Leben. Kreischen, johlen, schreien, säuseln, brummen – es ist eine wahre Freude, sich von dieser Stimme mitreißen zu lassen. Doch dann ist da auch noch der Gesang von Gitarrist Jason Balla, der im Wechselspiel mit Emily Kempf einen ruhigeren Gegenpol schafft und die Songs mal abrundet, aber sie auch weiter anstacheln kann wie im energetisch-wütenden Song "No Time", der nur so vor Entrüstung strotzt.

Man könnte so viel schreiben über "Flower Of Devotion", über den besonderen Sound dieser Band, diese klar gespielte harte E-Gitarre, das stabile Drumming von Eric McGrady, der das Trio komplettiert, die angenehme Produktion, durch die das Album zum einen einen eher schlichten LoFi-Sound hat, zum anderen aber auch eine Klarheit und Direktheit besitzt, die es als Ganzes so anziehend macht. Und dann sind da auch noch die unglaublich guten Videos zu erwähnen, die unter der Regie von Emily Kempf entstehen. DEHD sind einfach ein kreatives Kraftpaket, das mit "Flower Of Devotion" den bisherigen Höhepunkt seines Schaffens abgeliefert hat. Man verliebt sich selbst nach unzähligen Durchgängen immer noch ein bisschen mehr in dieses Album, diese Klänge, die mit ihrer nostalgischen Färbung auch mal an Bands wie Galaxie 500 oder auch The Velvet Underground erinnern, dann aber auch eine ähnliche Kraft und Energie wie beispielsweise Shopping versprühen. Da lässt sich auch verzeihen, dass nicht alle Songs mit der gleichen Durchschlagskraft einschlagen, dafür ziehen manche Einzelsongs in ihrer Brillanz dann doch zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Dadurch bleibt aber "Flower Of Devotion" immer eine Entdeckungsreise, weil einem jedes Mal aufs Neue Kleinigkeiten auffallen und sich die Lieblingssongs mit der Zeit immer wieder ändern.

Kilian Braungart

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