Rezension

Deer Tick
Divine Providence
Highlights: Make Believe // Electric
Genre: Folk-Punk // Folk-Rock // Blues-Rock // Rock'n'Roll
Sounds Like: Middle Brother // Delta Spirit // Dr. Dog // Dawes // Elliott Brood // Frank Turner // Jack White
VÖ: 20.04.2012

Leider ist es nicht viel mehr als eine schlechte Ausrede. Die Rohheit und Direktheit ihrer Live-Auftritte soll auf „Divine Providence“, dem vierten Deer-Tick-Album, eingefangen werden. Diesen Anschein eines Konzepts nimmt die Truppe um John McCauley allerdings zum Anlass, einfach mal ohne groß zu überlegen ein paar Sauflieder hinzurotzen, die allenfalls die Coolness, die eine Band wie Deer Tick einfach im Blut zu haben scheint, vor allzu großen Peinlichkeiten bewahrt.
Natürlich darf Musik Spaß machen – und umso schöner ist es, wenn man einer Band auf Platte anhören kann, dass sie auch mit Freude bei der Sache ist. Doch hier rückt die Musik selbst in den Hintergrund auf Kosten der Scheiß-Auf-Alles-Attitüde, die einem Deer Tick hier aufzudrängen versuchen. Einen Song mit einem Kommentar wie „You f**ing douchebag“ zu eröffnen, ist weder lustig noch in irgendeiner Form geistreich, sondern einfach nur primitiv und dämlich. Hinzu kommt dann noch eine Produktion, die es einem nicht gerade leicht macht, sich mit diesem Album anzufreunden, weil bei all der Routine, mit der die ohne Frage sehr gut aufeinander eingespielten Musiker einen Song nach dem anderen herunterspielen, nicht einmal der rein handwerkliche Aspekt des Albums zufriedenstellend ist.
Dass dann in der zweiten Albumhälfte fast schon reumütig ein paar Balladen nachgereicht werden, ändert leider nicht viel am enttäuschenden Gesamteindruck dieses Albums. Zwar befinden sich dort mit „Make Believe“ und „Electric“ die besten Songs des Albums, allerdings wirkt „Divine Providence“ als Ganzes dann doch eher so, als ob sich Deer Tick letztlich nicht getraut hätten, dieses harte Rock’n’Roll-Ding auf Albumlänge durchzuziehen und das Album somit nicht einmal im Rahmen seines recht beschränkten Konzepts eine Chance hat zu überzeugen.
Deer Ticks vierte Platte ist daher leider nicht viel mehr als eine etwas wirre Ansammlung ziemlich uninspirierter Songs, die man wohl schnell wieder vergessen wird – was in diesem Fall vielleicht gar nicht so schlecht ist. Eine gute Sache hat das Ganze aber wenigstens: das nächste Album kann eigentlich nur besser werden.
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