Rezension

Death Cab For Cutie

Plans


Highlights: Soul Meets Body // I Will Follow You Into The Dark // Brothers On A Hotel Bed
Genre: Emo // "Heavy"-Pop
Sounds Like: Jimmy Eat World // Pedro The Lion // The Postal Service // Youth Group

VÖ: 29.08.2005

Death Cab For Cutie haben es nun auch geschafft, sie veröffentlichen ihr fünftes Album “Plans” auf dem Major Label Atlantic Records. Nach sechs monatigen Studioaufnahmen, dem Wechsel vom Indielabel Barsuk zum Major Atlantic Records, wachsenden Fanmassen und ebenso grossen Erwartungen derer, zaubert das Quartett aus der Nähe von Seattle “Plans” hervor.

Songwriter Ben Gibbard wählte diesen Titel nicht nur, weil “Plans” Bestandteil eines Songs ist, sondern weil sein Lieblingswitz “How do you make God laugh? You make a plan” lautet. Das Album zeigt, dass sich für die Band einiges verändert hat, seitdem 2003 “Transatlanticism” erschienen ist. Nicht nur der verlorene Indiestatus durch den Wechsel zum Major, sondern vor allem, dass sie gereift und erwachsener geworden sind. Chris Walla, der jede Death Cab CD bisher produziert hat, sagt, dass “Plans” zwar anders ist als “Transatlanticicsm”, dass sie aber genauso weitermachen wollten wie bisher, indem sie zeigen, was die Band ausmacht und wo sie sich befindet.

Death Cab For Cutie haben ein Album geschaffen, dass sowohl Balladen (“Someday you will be loved”), Popsongs (“Soul meets body”), Rocksongs (“Crooked Teeth”), als auch das stark akkustisch orientierte ”I will follow you into the dark” beinhaltet. Dieser Song erinnert ein wenig an Elliott Smith, geht also in die Singer/Songwriter- Richtung, so dass Ben Gibbard schon nachgesagt wird, dass er in seiner Art und Weise Songs zu schreiben in Smith’s Fussstapfen tritt. Und genau das macht “Plans” aus, nämlich das hervorragende Songwriting, gepaart mit vorsichtig kalkulierten Melodien, dass das neue Album vom viel gelobten “Transaltanticism” unterscheidet, denn beide Album sind auf ihre eigene Weise voller Schönheit.

Während “Transatlanticism” rockiger klingt, ist “Plans” zwar ebenso emotional, dennoch gibt Ben Gibbard zu, dass es das erste Mal Death Cab For Cutie Songs gibt, die positiv und zuversichtlich sind, anstatt in Verzweiflung zu enden. Und eben daran zeigt sich, dass die Band erwachsener geworden ist, denn ansonsten hätten sie wohl kaum die Todesthematik in ihr Album einbezogen, auch wenn das Album anfangs mit “Marching bands of Manhattan” spielerisch klingt. Da ist zum Beispiel “What Sarah Said”, dieser Song bezieht sich auf eine Freundin der Band, die erzählte, dass sie sich eines Tages, als sie mit ihrem Ehemann unterwegs war, vorstellen musste wie es sein wird, wenn er stirbt. Wenn sie also das ihr Wichtigste im Leben verliert, und davon handelt der nach ihr benannte Song.

"I Will Follow You Into The Dark" ist wohl das zentrale Stueck des Albums. Dieser Song klingt ruhig und zerbrechlich, nur von der Akkustikgitarre unterstrichen, dennoch ist er stark und hoffnungsvoll (“And I cannot pretend that I felt any regret. Cause each broken heart will eventually mend just as blood runs red down the needle and threat. Someday you will be loved... you’ll be loved, you’ll be loved, like you never have known...”). Gibbard lässt Kindheitserfahrungen (“ In Catholic school as a vicious Roman rule...”) einfliessen und beschäftigt sich mit dem Leben nach dem Tod oder eben dem Leben nach dem Ende einer Liebe. Chris Walla bezeichnet diesen Song als den besten, den Ben Gibbard je geschrieben hat. “Plans” klingt eben nicht emo-typisch jammervoll, viel mehr ist es, wie die Band es selbst bezeichnet, heavy-pop. Die Hoffnung hält während dem kompletten Album Einzug. Trotz Wechsel vom Indie- zum Majorlabel bleiben die Grundzüge, die die Band ausmachen, bestehen. Das Album klingt insgesamt warm und gibt Ausblick auf den Herbst. Es ist nicht sommerlich-fröhlich, sondern viel mehr bittersüss und zart, wie die Blätter, die im Herbst von den Bäumen fallen. Death Cab For Cutie zeigen nicht nur durch den Wechsel zum Major, als auch durch “Plans”, dass sie bereit sind für ein grösseres Publikum zu spielen. Und dies geben auch die Ticketverkäufe ihrer Shows wieder. So waren beide Konzerttermine für Washington D.C. im 9:30 Club bereits nach wenigen Tagen ausverkauft. Die grossen Musikmagazine, ob nun Spin oder Under The Radar haben Death Cab For Cutie auf ihren Titelblättern und in jedem Musikmagazin ist ein Interview mit ihnen zu finden. Bleibt wohl nur zu sagen “They are cutting the edge now”! Ob sie dem Erwartungsdruck standhalten wird sich zeigen, dass sie aber einen Prozess der Veränderung und des Erwachsenwerdens durchgemacht haben, haben sie mit “Plans” bereits bewiesen.

Verena Blättermann

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