Rezension

David Byrne

American Utopia


Highlights: American Utopia // Gasoline And Dirty Sheets // It's Not Dark Up Here // Doing The Right Thing
Genre: Avantgarde // Pop
Sounds Like: Talking Heads // Dirty Projectors // St. Vincent // Laurie Anderson

VÖ: 09.03.2018

Der Drang nach künstlerischer Utopie ist groß gerade. Dies ist die mindestens dritte Platte in den letzten drei Monaten, die sich ausdrücklich mit dem Thema beschäftigt. Und das hier ist David Byrnes Utopie, seine amerikanische Utopie; dass bei diesem Titel zu dieser Zeit Erwartungen aufkommen, sollte klar sein. Byrne muss klar gewesen sein, dass das so ist, hat der ehemalige Talking-Heads-Sänger und absolute Ausnahmekünstler sich doch sehr viel mit der Wirkung von Musik als Kunst auseinandergesetzt, etwa in seinem Buch „How Music Works“. Abgesehen davon, dass es eine Utopie ist, ist es aber auch endlich neue Musik von David Byrne. Die erste wirkliche Soloplatte seit immerhin 14 Jahren.

Die Platte klingt eindeutig nach David Byrne: Frische, etwas vertrackte und sehr groovige Popmusik, sehr basslastig. Ein bisschen wie eine „Greatest Hits“, nur mit neuen Songs, und dass die Songs eben nicht ganz so gut sind. Entweder, weil sie nicht ganz so gut sind, und dann auch, weil sie eben nicht die Geschichte mitbringen, die die alten Songs haben. Eine Platte, die man sich schön anhören kann, die in „Gasoline And Dirty Sheets“ auch mitreißend ist wie etwa „Sax And Violins“ von den Talking Heads, aber genau das ist es auch: „American Utopia“ lädt nicht zum Verweilen ein, sondern erinnert an die alten großartigen Sachen, die immer noch zeitlos unfassbar gut sind.

Das ist auch okay so, denn es ist gut, dass Byrne noch da ist. Er ist und bleibt eine Institution. Ob er ein Buch schreibt, sich politischen Themen widmet und Vorträge hält, oder sich anderes Zeugs ausdenkt, wie etwa die neue Liveshow, von der man hört, sie sei großartig. Oder eben einfach Musik. Was er anfasst, hat Hand und Fuß, es ist künstlerisch und ästhetisch ansprechend, aber nicht zu vertrackt, um nicht auch mitreißend und berührend zu sein. Es ist in schwierigen Zeiten gut zu wissen, dass Menschen wie er am Ball sind.

Daniel Waldhuber

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