Rezension

Dangers Of The Sea

Our Place Is History


Highlights: Take Me To The Ocean // Can You Hear Me // Meet Me At The Station
Genre: Folk // Pop
Sounds Like: Saybia // Efterklang // Folkeklubben // Starsailor

VÖ: 20.10.2017

Es ist schon bemerkenswert, wie groß die anglo-amerikanischen Einflüsse auf die skandinavische Musikszene sind. Vielleicht liegt es daran, dass viele Filme und Serien in Dänemark & Co. nicht synchronisiert werden und junge Menschen mit einer natürlichen Nähe zur englischen Sprache aufwachsen. Vielleicht ist es auch die liberale Grundeinstellung der Nordeuropäer, die sie gegenüber der Kultur aus dem Westen so empfänglich macht. Bei Dangers Of The Sea beispielsweise lässt sich unmöglich sagen, dass ihre musikalischen Wurzeln in Kopenhagen liegen. Wobei man fairerweise erwähnen muss, dass Bandleader Andreas Bay Estrup zeitweise in den USA studiert hat und diese Erfahrungen in seine Musik miteinfließen.

Mit Kollegen namhafter dänischer Bands gemeinsam hat er in den letzten Jahren verschiedene Konzerte und Festivals gespielt und nach dem selbstbetitelten Debüt akribisch am zweiten Album “Our Place In History” gearbeitet. Das beginnt ungewöhnlich: Mit dem Opener “Meet Me At The Station” erklingt zum Auftakt das längste Stück der Platte. Etwas schwermütig erinnert dieses an das Frühwerk von Starsailor, wobei Dangers Of The Sea weniger Pathos ausstrahlen. Gemächlich geht es zu, aber dank des intensiven Gesangs mit großer Präsenz. Estrup, der gerne Jazz-Musiker werden wollte, beweist hier nicht nur Gespür für markante Harmonien, sondern auch für eine große Wärme in seiner Musik. Die richtige Soundkulisse für den Abschluss eines Festivalabends! Die folgenden Stücke können damit nicht ganz mithalten. Sie sind ein gutes Stück zahmer.

Der zweite Teil der Platte gibt sich griffiger, mit mehr Zug und spannenderen Harmonien. Da sind das elegische “Mathilda”, das minimalistische “A 1000 Good Reasons” und das reich instrumentierte, aber zugleich ruhige “Take Me To The Ocean”. Ein richtiges Bonbon haben Estrup und seine Mitstreiter ans Ende von “Our Place In History” gepackt: “Can You Hear Me” hat das Zeug zur echten Seefahrer-Folk-Hymne. So deutet sich auf den letzten Metern doch noch die Herkunft der Musik an. Ungeachtet aller geografischen Zwänge ist “Our Place In History” aber vor allem eines: ein hörenwertes Album.

Mischa Karth

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