Rezension

Cornelius

Mellow Waves


Highlights: In A Dream // Sometime / Someplace // Dear Future Person
Genre: Pop
Sounds Like: Computerjockeys // Daft Punk // Towa Tei // Kings Of Convenience

VÖ: 21.07.2017

In einer Zeit, als Musikfernsehen noch im Breitenfernsehen existierte und in Viva Zwei sogar einen anspruchsvollen Sender bot, in dieser Zeit also lief eben auf Viva Zwei das Video zu einem Song namens “Drop”. Der Künstler nannte sich Cornelius.

Hinter dem Künstlernamen steckte und steckt der Japaner Keigo Oyamada und das zu “Drop” gehörige Album “Point” war weder sein erstes (sondern sein viertes), aber doch sein international erfolgreichstes. Dies lag sicher nicht zuletzt an “Drop”, das sowohl musikalisch als auch durch das Video visuell vielseitige Aufmerksamkeit auf sich zog. Nun erscheint mit “Mellow Waves” das nunmehr sechste Album.

Sanfte Wellen sind es tatsächlich, die Oyamada hier präsentiert. Wer bei “Point” anfing und aufhörte, Cornelius zu hören, wird dennoch vermutlich direkt einen Anschluss finden. Oyamadas Stärke ist, entspannten Elektro- und einfach nur Pop zu produzieren, der sich nicht selten an Bossa orientiert, der gelegentlich mal zur Muzak tendiert, der aber vor allem immer eine klangliche Tiefe besitzt, in der es möglich ist, sich nicht nur entspannt, sondern auch konzentriert hörend zu verlieren. In diesem Stil bietet “Mellow Waves” unter anderem ambiente Stücke wie “Surfing On Mind Wave pt. 2”, experimentell dahin mäandernde Tracks wie “Helix Spiral”, aber auch echte Pophits. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Menschen sich dem Ohrwurm “In A Dream” entziehen können.

“Mellow Waves” gewinnt so vor allem in dieser Kombination aus klanglicher Konsistenz und stilistischer Vielfalt. Für Hörer von Computerjockeys, Kings Of Convenience und Cornelius selbst mag “Mellow Waves” wirken, als seien sie 15 Jahre oder so in der Zeit zurückgeworfen. Für andere mögen der sanfte Pop, die Konzentration auf unaufgeregten Wohlklang etwas ganz Neues sein. So scheint Cornelius sechstes Album fast außerhalb der Zeit zu stehen, aber selbst im Hier und Jetzt muss die reine Schönheit der Cornelius’schen Songs bewundert werden. 

Oliver Bothe

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In A Dream
Sometime / Someplace
If You're Here

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