Rezension

Converge

The Dusk In Us


Highlights: Reptilian // A Single Tear // The Dusk In Us
Genre: Hardcore // Metal // Punk
Sounds Like: The Dillinger Escape Plan // Daughters // Mastodon // Botch // Shai Hulud

VÖ: 03.11.2017

Beweisen müssen Converge nichts mehr. Längst Legendenstatus innehabend, allein wegen „Jane Doe“ und „You Fail Me“, welche Genrestandards setzten, könnten sie sich eigentlich aufs Altenteil setzen und gucken, was nach ihnen kommt. Dieser Mix aus Punk, Hardcore und Metal zu einem Chaos, das kann man doch auf Dauer nicht durchhalten, irgendwann ist doch mal Schluss damit, alles immer im Anschlag zu spielen, irgendwann muss doch Jacob Bannons Stimme mal durch sein. Irgendwann. Aber nicht jetzt. „The Dusk In Us“ zeigt eindrucksvoll, dass auch nach einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte noch genug Energie da ist. Und dass man sich auch nach dieser Zeit noch innerhalb seines eigenen Stiles weiterentwickeln kann.

Der Reihe nach. Anfang des Jahres erschien „I Can Tell You About Pain“. Zweiminutenirgendwas Geballer. So kennt man sie. Standardkost. Aber dann: „Eve“, eine Offenbarung. Converge lassen alles beiseite, was sie ausmachten und spielen ein Sludge/Doom-Stück ein, von dessen Qualität es nur wenige gibt. Und dann erlaubt es sich die Band, diesen Track als B-Seite zu belassen und nicht auf das Album zu nehmen. Stattdessen ballert „A Single Tear“ aus den Boxen. Classic Converge, gebt den Leuten, was sie wollen. Die nächsten Stücke: in dem Stil, zwei bis vier Minuten Eskalation. Der Sound droht jede Sekunde umzukippen, jeder Augenschlag ein neues Motto, dazu kreischt Bannon sich die Seele aus dem Leib. Bis es still wird.

Der mittig platzierte Titeltrack „The Dusk In Us“ ist eine Powerballade, die allem widerspricht, was man unter diesem Wort normalerweise versteht. Über sieben Minuten erstreckt sich der Track, erst im letzten Drittel kommt so etwas wie Fahrt auf. Damit sprengen Converge endgültig ihre Grenzen. Anderen Bands würden jetzt die puristischen Fans aufs Dach steigen, bei Converge erwartet man so etwas. Nur Sekunden nach dem letzten Soundecho geht es aber wieder auf 180. „Reptilian“ zum Abschluss ist nochmal spannend, hier lassen Converge am deutlichsten Metal durchklingen. Ein klar strukturierter (!) Killertrack. Converge liefern einfach Qualität. „The Dusk In Us“ ist nur ein weiterer Beweis dafür.

Klaus Porst

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"A Single Tear"
"Reptilian"

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