Rezension

ClickClickDecker

Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles


Highlights: Ausbalancieren // Durch Die Kastanienanlagen // Brustschwimmen Im Nebel (unter den Lämmern)
Genre: Singer-Songwriter // Deutsch-Pop
Sounds Like: Gisbert zu Knyphausen // Kettcar

VÖ: 17.01.2014

„Ich kotz alles in die Notizen, so kann uns niemand was vorwerfen“ (Die Nutzlosen (unentbehrlich)). 

Dass Kotzen die Lösung für so manches Problem ist, wussten wir schon. Nicht grundlos haben getroffene Aussagen wie „Montags könnt ich kotzen!“ ihre Wirkung. So hübsch verklärt poetisch jedoch, wie sich Clickclickdecker stets ausdrückt, bekommt das wahrscheinlich keiner von uns hin. Überhaupt sind Alben des Hamburgers grundsätzlich angefüllt mit Wortaneinanderreihungen, die sinnfrei, sinnvoll, sinnig, sinnlich und/oder sinnhinterfragend sind. Manchmal auch gleichzeitig. So auch auf „Ich Glaube Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles“. Ein Albumtitel, der funktioniert wie ein typischer Song des Künstlers: die gerunzelte Stirn ist keine Überraschung, genauso wenig wie die lauschenden Ohren, die wissen wollen, was dieser Titel soll, warum vertraut und gleichzeitig misstraut wird, wer überhaupt der/die Angesprochene ist, welche Geschichte hier erzählt werden soll und vor allem, wie diese ausgeht. 

Doch auch auf dem aktuellen, bereits fünften Studioalbum geht Hamann seinem Talent nach, lieber Fragen aufzuwerfen, als welche zu beantworten. Wiederholt zeigt sich sein nicht ganz subtiles Gespür dafür, zuweilen nicht nur Zweifel in Räume zu stellen, sondern selbstgefällig Räume eigens für Zweifel zu montieren. Hörbar gemacht wird all dies durch altbewährte Mittel: schrammelnde Gitarren, die aus der Tradition der Hamburger Schule kommen mögen, feine Spitzen aus Elektronik, Klavier und einfachem Rhythmus. Zwischendurch hört man Schafe. Darüber jagt der Sänger seine verschlafen schräge Stimme mit Hang zum quietschenden Ausbruch und lässt dann alles insgesamt möglichst roh und verbogen stehen.

Eigenartigerweise passt zum bisher Beschriebenen das Genreetikett „Pop“ ganz vorzüglich. 
Überflüssig ist nun der Kommentar, dass die Lyrics bei Kevin Hamann, egal bei welchem Projekt, zurecht im Vordergrund stehen, es sei denn, man möchte folgenden Bogen schlagen: Deshalb verhält es sich in Texten zu Clickclickdecker-Alben häufig so, dass mit einem Zitat ein- oder ausgestiegen wird. Wir tun heute mal beides:

„Du hast die Farben und ich das Papier, ich pfeif' auf deine Nummer, während ich auf Gleisen spazier'“ (Niemand wird’s gewesen sein).

Silvia Silko

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