Rezension

Chikinki

Brace, Brace


Highlights: You Said // Sunrise // Let It Go // Thrill
Genre: Indie-Elektro-Glam-Pop-New-Wave-Whatever-Rock
Sounds Like: Hard-Fi // The Bravery // The Sunshine Underground

VÖ: 16.11.2007

Ja ja, etwas Zeit gelassen haben sie sich ja schon. Rupert zu-knappe-Hose Browne erwähnte in einem helga-Interview, das neue Album komme im Januar. Nun haben wir November. Was tun Rockstars also in zehn langen Monaten? Mehrmals wegen Drogenskandalen in den Schlagzeilen stehen? Sich den Arm brechen und somit nicht Gitarre, äh, Synthie spielen können? Oder haben sie den Weg zurück zur Uni Bristol, Ort ihres Ursprungs, gefunden? Nö. Beim Anspielen der neuen „Brace, Brace“ weiß man: Chikinki müssen in Tanztherapie gewesen sein. Mit einer ordentlichen Ladung tanzbarer Ohrwürmer lassen sie das eher düstere „Lick Your Ticket“ hinter sich und laden ein zum Abspacken.

Und weil sie uns zehn Monate warten ließen, hauen sie uns den fröhlichsten Durch-den-Club-Hüpf-Hit gleich mal auf Position eins. „Sunrise“ ist von Anfang bis Ende adressiert an die Beine, nahtlos gefolgt von „You Said“, als gnadenloser Ohrwurm und Sehnsuchtsauslöser schon seit einem knappen Jahr auf MySpace zu hören. Dieser Song trägt die Schuld daran, dass das Warten auf das Album beinahe schmerzhaft war. Nicht auszudenken, wie schwer es einem gefallen wäre, wäre der Refrain von „Let It Go“ auch noch veröffentlicht worden. Richtig bunt und melodiös sind sie auf einmal, die Jungs. Aber trotzdem noch unverkennbar, nicht zuletzt dank Ruperts theatralischer Interpretationen und seiner Stimme mit unerlaubtem Wiedererkennungswert.

Doch auch die bekannten elektronischen Wurzeln Chikinkis bleiben nicht gänzlich auf der Strecke: „Lies All Over My Eyes“ kommt mit ab und zu shoutigem Gesang und den dunklen, schweren, elektronischen Klängen dem Vorgängeralbum sehr nahe. Auch in „Nasty Side“ packen sie die Synthies endlich wieder in etwas größerem Stile aus, und „2 Possible Things“ könnte ein vergessenes Highlight auf „Lick Your Ticket“ sein.

Zunächst klingt das alles nach einem mittelgroßen Mischmasch aus Alt und Neu. Vielleicht. Auch, wenn leider das, was den chikinki´schen Klang eigentlich ausmacht, nämlich der große elektronische Einschlag, hier bei vielen Songs auf der Strecke bleibt, hat das Warten gelohnt. Chikinki greifen zunehmend in die Popkiste und schaffen mit „Brace, Brace“ ein Werk voller melodischer Knaller, bei denen das Füßestillhalten wahrlich schwerfällt. Und solange die Elektrokiste nicht völlig einstaubt, ist doch eigentlich auch alles gut.

Stefanie Graze

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