Rezension

Chikinki

Bitten


Highlights: When We Land // Bitte Bitte // Near Death Of A Salesman
Genre: Elektro-Pop
Sounds Like: The Sunshine Underground // Gods Of Blitz // Timid Tiger

VÖ: 18.03.2011

Chikinki haben einen klugen Plan ausgeheckt. Statt dem üblichen Pressetext, den man als Musikjournalist zur Promo-CD dazu bekommt, in dem meist die Plattenfirma in höchsten Tönen von einem noch besseren, tolleren und reiferen Album spricht, das man unbedingt kaufen muss, wird der Promo zum neuen Album „Bitten“ ein von der Band eigens geschriebener Brief beigelegt. Ein Brief an alle Musikjournalisten: Mit der Bitte um Nachsicht. Mit der Bitte, peinliche Auftritte von Bands, für die Chikinki als Vorgruppe gespielt haben, zu verzeihen (z.B. Peaches, Who Made Who, Charlatans und Amy Winehouse). Mit der Bitte um Vergebung, dass sie es nicht geschafft haben, den jungen Besuchern ihrer Konzerte als professionelle Unterhalter, die sie in ihrer Entwicklung unterstützen, zu dienen. Mit der Entschuldigung, dass man hätte besser recherchieren müssen, um zu erfahren, dass der Titel des hochgelobten Albums „Lick Your Ticket“ auch als eine Befürwortung des Drogenkonsums verstanden werden kann.

All dieses ironische Schuldeingestehen hilft jedoch leider wenig, wenn man zum eigentlich wichtigen Thema des Albums „Bitten“ kommt. Nämlich der Musik. Denn die ist, wie soll man sagen, leider relativ schwach ausgefallen. Da hilft alles Bitten und das Anklagen sämtlicher Musikjournalisten im Vorhinein wenig. Wenn die Musik nicht den Erwartungen entspricht, dann kann man sie auch nicht schön reden. Mit den meist großartigen Songs auf „Lick Your Ticket“ und „Brace, Brace“ kann „Bitten“ leider nicht mithalten. Das Album klingt nett, keine Frage. Es lässt sich gut im Hintergrund hören, man kann auch mal den Fuß zu den angenehm wabernden Melodien wippen lassen, aber es wird dann doch leider schnell langweilig. Böse Zungen könnten behaupten, dass der Tiger auf dem Albumcover gerade nicht furchterregend brüllt, sondern nur gemütlich und breit gähnt. Das machen solche Raubkatzen nämlich auch oft gerne. Chikinki scheinen auch müde geworden zu sein. Die einstig zum Tanzen treibenden Synthie-Sounds wurden durch weiche, bequeme Klänge und „ba-ba-baba-ba-ba“-Mitsingstellen ausgewechselt.

Aber es ist nicht alles schlecht. Mit „Near Death Of A Salesman“ liefern Chikinki zum Schluss doch noch etwas Qualität. „When We Land“ klingt ein wenig geheimnisvoller und düsterer als der Rest der Songs, „All For One“ dagegen erfrischend sommerlich nach Vampire Weekend in einer seichteren Version. „Bitte Bitte“ treibt die Geschwindigkeit endlich etwas nach oben. Die verzerrten Synthie-Klänge lassen an Daft Punk denken und auch der Roboter-artige Gesang passt ins Gesamtbild. Im Refrain geht es dann aber doch poppiger zur Sache. Der Song handelt von einem Mädchen in Berlin, die mit ihrem Bitten versucht hat, bei Sänger Rupert Browne zu landen. Der ließ sie aber eiskalt abblitzen. Wenn aus einer solchen Situation der beste Song des Albums entsteht, dann wäre es wohl gut, wenn Chikinki häufiger von anhänglichen Mädchen verfolgt werden würden. Man kann es ihnen nur wünschen.

Marlena Julia Dorniak

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"Bitte Bitte" im Stream:

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