Rezension

Car Seat Headrest

Making a Door Less Open


Highlights: Martin // Can’t Cool Me Down // Life Worth Missing
Genre: Experimental-Elektro-Rock
Sounds Like: Portugal. The Man // Alt-J // Stephen Malkmus

VÖ: 01.05.2020

Wenn eine Band sich neu erfinden will und einen neuen Stil verfolgt, ist das manchmal sehr spannend oder es kann sehr schief gehen. Die Indie-Rocker Car Seat Headrest um Frontman Will Toledo kündigten die neue Platte an, mit einem Fokus auf EDM, Hip-Hop, Futurism und vielem mehr, wobei es im Kern ein Folk-Album sein soll – ein sehr ambitioniertes Ziel mit einem durchwachsenen Ergebnis.

Ambitioniert begann auch alles. 2015 war Toledo gerade mal 23 Jahre alt und hatte bereits elf Alben auf seiner Bandcamp-Homepage veröffentlicht. Mit „Teens Of Style“ folgte sein Studiodebüt, ein Jahr später das geniale „Teens Of Denial“. Eine wunderbare LoFi-Indie-Rock-Scheibe, welche von der éclat-Redaktion zum zweitbesten Album 2016 gekürt wurde. Mit überragenden Live-Auftritten und dem Nachfolger „Twin Fantasy“ vor zwei Jahren eroberte Toledo mit seinem Projekt immer größere Bühnen, Bekanntheit und unsere Herzen. Die Vorfreude auf ein neues Album entsprechend groß, doch „Making A Door Less Open“ überrascht mehr, als dass es überzeugt.

Unbestritten ist der Sound nun anders und zum Teil sind elektronische Elemente im Vordergrund, ein EDM-Hip-Hop-Album ist es jedoch nicht geworden, sondern die Handschrift von Will Toledo und eine Indie-Rock-Sozialisation ist unverkennbar. Das größte Manko der Scheibe ist, dass richtige Highlights, die auch auf „Teens Of Denial“ oder „Twin Fantasy“ positiv aufgefallen wären, Mangelware sind.

Schlecht ist „Making A Door Less Open“ keineswegs und es wird hier sicher einige Fans geben, die vor allem die Weiterentwicklung und Komplexität des Musikers hervorheben werden. Diese Wandelbarkeit und das damit verbundene Potential sprechen natürlich für den Künstler. Es sind jedoch vor allem die Elemente gut, die an den originären Car-Seat-Headrest-Sound erinnern, wie „Martin“, oder diesen geschickt mit neuem kombinieren, wie bei „Can’t Cool Me Down“. Doch gerade in der experimentierfreudigen Mitte des Albums sind zum Teil sehr schwache Songs, wobei besonders die Single „Hollywood“ mit sehr plumpen Lyrics, sowie das elektronische, leicht nervige „Hymn (Remix)“ negativ hervorzuheben sind.

Schlussendlich ist es weder ein cooles, neues LoFi-Rock-Album geworden, noch das ganz große EDM-Hip-Hop-Rock-Album, welches eigentlich Folk ist. Vielleicht ist „Making A Door Less Open“ jedoch erst der Übergang zu einem neuen, vollen Sound aus vielen Musikrichtungen, die Toledo zusammenbringt. Spannend und ambitioniert wird es bleiben, wenn auch diese Platte zeigt, dass es nicht immer nur glatt laufen wird.

 

Marian Krüger

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Car Seat Headrest - "Can't Cool Me Down"
Car Seat Headrest - "Martin"

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