Rezension

Bright Eyes

A Christmas Album


Highlights: White Christmas // Silent Night
Genre: Singer-Songwriter // Folk
Sounds Like: Tim Kasher // Elliot Smith

VÖ: 15.11.2013

Manchmal kann man Weihnachtsmusik ertragen. Wenn man im Dezember am Esstisch bei den Eltern sitzt beispielsweise, oder wenn man in melancholischer Stimmung auf der schneebedeckten Autobahn das Radio aufdreht. Dennoch – auf Albumlänge lässt sich mit Ausnahme des Rat Packs nichts wirklich ohne Kopfschmerzen hören. Und die Situation wird von Jahr zu Jahr schlimmer, jeden Winter bringen neue belanglose Künstler ihre Alben auf den eigentlich gesättigten Markt. Umso wichtiger ist es, dass Conor Oberst sein schon im Jahre 2002 veröffentlichtes Weihnachtsalbum nun in größerer Auflage herausbringt.

Natürlich passt das, ruhige Stimmung und Melancholie hat er gepachtet, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass die elf Weihnachtsklassiker, die er unter seinem Pseudonym Bright Eyes veröffentlicht, besser sind als ihre Originale.

Zusammen mit etlichen anderen Künstlern schafft Oberst es, einigen altbekannten Liedern, die durch Werbung und Castingshows vergewaltigt wurden, zu alter Stärke zu verhelfen. Seine wunderbar gefühlvolle Interpretation von „Silent Night“, genauso wie „White Christmas“ oder „Blue Christmas“ sind hier sehr gute Beispiele. Was kann man auch anderes erwarten, Conor hat hier das Beste herausgeholt. Dennoch kann das Album auf keinen Fall mit seinen anderen Werken, allen voran „I’m Wide Awake, It’s Morning“, mithalten. Das Problem von „A Christmas Album“ ist, dass Obersts großartiges Songwriting nicht zur Geltung kommt. Denn genauso wie er ein hervorragender Musiker ist, ist er ein toller Schreiber. Die Inhalte, die in seinen Alben auf so schöne und traurige Art und Weise übermittelt werden, sind hier nicht vorhanden.

Das ist halt das immer wiederkehrende Problem mit Weihnachtscovern. Nehmen wir Element Of Crime. Zwar haben Sven Regener und Co. es geschafft mit „Last Christmas“ eines der größten musikalischen Verbrechen seinerzeit für das menschliche Ohr ertragbar zu machen, dennoch ist es trotz anderer Hülle im Kern immer noch das gleiche Lied. Genau das lässt sich auch auf „A Christmas Album“ übertragen. Egal, wie schön Obersts Stimme und Instrumentierung hier zur Geltung kommen, bei Liedern wie „Silver Bells“ läuten die Alarmglocken. Genau wie man aus Gelsenkirchen keine schöne Stadt und aus Marcel Reif keinen Fußball-Experten mehr macht, macht man aus diesen Liedern keine guten. Leider.

Lewis Wellbrock

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