Rezension

Brandon Can't Dance

Graveyard Of Good Times


Highlights: Smoke & Drive Around // She Loves Anime // Angelina // Me Inside Her
Genre: Lo-Fi // Post-Punk // Garage // Synth-Pop
Sounds Like: Chad VanGaalen // Ariel Pink // Twin Shadow // Alex G

VÖ: 13.01.2017

Egal was dieses Jahr noch so erscheint, den ersten Platz für das unberechenbarste Album dürfte zweifellos an Brandon Can't Dance gehen. Auf seinem Debüt wechselt der DIY-Künstler zwischen Post-Punk, Indie-Rock und 80s-Synth-Pop, wie er gerade lustig ist und steuert dazu noch Stimmlagen von höchstem Falsett bis tiefstem Bariton bei. Klingt weird? Wartet erstmal, bis ihr die in einem Bett liegende Echse im feinen Kleid auf dem Frontcover in voller Größe gesehen habt... Keine Frage, auf „Graveyard Of Good Times“ läuft alles ein wenig anders ab und genau das macht die Platte zu einer erfrischenden Entdeckung.

Hinter dem Pseudonym verbirgt sich Brandon Ayres, der im heimischen Philadelphia schon längst eine Underground-Legende ist und bereits seit frühester Kindheit Musik macht. Zwischen Nachtschichten als Security-Guard und der Pflege seiner Großmutter produzierte Ayres über ein Jahr lang in kompletter Eigenregie die sechzehn Songs seines ersten Albums. Ein gewisser Lo-Fi-Charakter ist daher selbstverständlich und doch ist es erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit auf „Graveyard Of Good Times“ Genres und zig Ideen aus dem Ärmel geschüttelt werden.

Überraschend ist auch, wie trotz der Fülle an Songs kein wirklicher Ausfall dabei ist. Ganz im Gegenteil mutet sogar jedes Stück für sich wie ein kleiner Hit an. Das liegt hauptsächlich daran, dass Brandon Can't Dance bei jedem Song direkt zum Punkt kommt, ohne sich groß mit Nebensächlichkeiten wie Intros oder Übergängen aufzuhalten. Die Drei-Minuten-Grenze wird deswegen auch nur im äußersten Notfall angekratzt.

In seiner Konsequenz folgt Brandon Can't Dance anderen kompromisslosen Solo-Künstlern wie Chad VanGaalen oder Ariel Pink. Es stört ihn nicht, wenn nach einer Fuzz-Gitarren-Nummer („Headspace“) mit „Smoke & Drive Around“ direkt ein Elektro-Hit folgt, nur um dann im Anschluss in „Greyhound Named Chelsea“ den klassischen Singer/Songwriter zu geben. Und das ist nur der Anfang von „Graveyard Of Good Times“... Am Ende steht stattdessen die Erkenntnis, dass der Titel im Bezug auf den Inhalt völliger Blödsinn ist und starke Zweifel angebracht sind, ob Brandon tatsächlich nicht tanzen kann.

Benjamin Köhler

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