Rezension

Boy & Bear

Suck On Light


Highlights: Suck On Light // Vesuvius // Telescope
Genre: Folk-Pop // Pop-Rock
Sounds Like: Mumford & Sons // Dope Lemon // The Lumineers

VÖ: 27.09.2019

Die letzten Jahre von Dave Hosking waren unfassbar schwer für ihn. Depressionen und eine chronische Darmkrankheit machten dem Boy-&-Bear-Sänger nach eigenen Angaben „das Leben zur Hölle“, bis seine Symptome durch Operationen gelindert werden und er und die Band wieder Energie für ihre vierte Platte aufbringen konnten. Fern von ihrer Heimat ist die Truppe noch keine ganz große Nummer, in Australien können sie seit dem Debut „Moonfire“ in 2011 große Massen überzeugen und werden mit Top-Charts-Platzierungen und Musikpreisen belohnt. Musikalisch bewegt sich die Band zwischen Folk, Rock, Indie und Pop und Erinnerungen an Mumford & Sons werden bei ihrem Sound wach.

Die neue Scheibe „Suck On Light“ wurde von Collin Dupuis (Lana del Rey und Black Keys) produziert und von Tom Elmhirst (Arcade Fire, Lord, Amy Winehouse) abgemischt. Das Ergebnis ist daher wenig überraschend etwas poppiger und spätestens jetzt kein „Indie-Folk“ mehr. Abgesehen von der Produktion ändern sich die Elemente der Band aus unverkennbarer Stimme mit durchaus hohen Tönen, Chor-Elementen und folkiger Akustikgitarre im Wechsel mit der E-Gitarre eher wenig. Einige Tracks wie „Vesuvius“ (sehr gut) und „Dry Eyes“ (langweilig) kommen mit einer neuen Slacker-Attitüde daher. Instrumental wird viel variiert. Mal singt Hosking a cappella, mal unterstützen Streicher oder ein Klavier die Band und mal steht eine rockige E-Gitarre im Vordergrund. Die verspielte Naivität der Band ist jedoch leider abhanden gekommen. Vermutlich nicht nur bei Boy & Bear, sondern bei vielen der Bands die im Schatten von Mumford & Sons bekannter wurden. So zieht nun das Album emotional an einem vorbei. Alles mit Ecken und Kanten wurde abgeschnitten, wirkt überproduziert und als wäre es der Versuch möglichst massentauglich zu sein.

„Suck On Light“ startet unter anderem mit dem gelungenen Titelsong (bald sicher oft in australischen Radios zu hören) noch sehr gut. „Telescope“ und „Bird Of Paradise“ sind noch gefälliger Folk-Pop, danach baut das Album jedoch richtig ab. Instrumentale Variation ohne wirkliche Kreativität, viele langgezogene „Aahs“ und „Oohs“ von Hosking und ein glatter Sound prägen die zweite Hälfte der Platte. Exemplarisch für den Teil des Albums steht leider die langweilige und aalglatte Singleauskopplung „Hold Your Nerve“. Mit dem letzten Track „Vesuvius“ überraschen Boy & Bear noch einmal richtig mit einem tollen, superentspannten Folk-Rock-Song. Simpel, nicht zu viel gewollt und einfach schöne Musik – hiervon hätte man sich mehr gewünscht.

Marian Krüger

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