Rezension

Blaenavon

That's Your Lot


Highlights: My Bark Is Your Bite // Alice Come Home // Prague '99 // Swans
Genre: Indierock
Sounds Like: Alt-J // Foals // Editors // Frightened Rabbit

VÖ: 07.04.2017

Wie vielseitig Indierock doch ist. Manchmal bringt er dich zum Tanzen, manchmal den Rocker in dir zum Kopfnicken, manchmal zum genüsslichen Schwelgen. Manche Bands können das sogar alles. Blaenavon sind so eine, wenn man ihnen genügend Zeit gibt. Und das ist auf drei Arten zu verstehen.

Zum einen heißt das nämlich: Blaenavon, und das wird auf ihrem ersten Album „That's Your Lot“ noch deutlicher als auf ihren diversen EPs, entfalten ihre Qualitäten nicht sofort. So wird man beim ersten Hören sicherlich weder bereits merken, was für eine gute Editors-Single „My Bark is Your Bite“ Mitte des letzten Jahrzehnts hätte sein können, noch den Foals-meets-80er-Stilbruch „Lonely Side“ ohne Stirnrunzeln hinnehmen, der sich perfekt in jeder Indiedisco-Playlist machen sollte – zumindest dann, wenn die Meute für die ganz wilden Verrenkungen bereits zu erschöpft ist. Ähnlich sind erste Reaktionen auf das orientalisch anmutende „Ode To Joe“ – das dann dann nach einiger Eingewöhnungszeit aber auch vorrangig die musikalische Bandbreite verdeutlicht, die Blaenavon beherrschen.

Zeit zur Entfaltung brauchen die Briten aber vor allem auch deswegen, weil sich die wirklichen Highlights von „That's Your Lot“ am Ende des Albums verstecken: Insbesondere „Prague '99“, das schottische Genre-Experten wie Frightened Rabbit kaum besser hinbekommen hätten, sowie das epische „Swans“, das das Fragil-Agressive Alt-Js mit sphärischen Postrock-Gitarren verbindet. Beide dieser Songs erreichen ihre jeweiligen Höhepunkte übrigens erst nach der Fünf-Minuten-Marke. Da wären wir wieder beim Thema Zeitlassen. Die kann man bei Blaenavon aber auch ruhig investieren – dafür kann man sich dieses Jahr wahrscheinlich eine Menge anderen Indierock sparen.

Jan Martens

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