Rezension

Blackmail

II


Highlights: Impact // Palms // Kiss The Sun
Genre: Alternative Rock
Sounds Like: Harmful // Scumbucket // Serafin // ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead

VÖ: 22.02.2013

Abstand schafft Klarheit. Denn das Hirn muss Infos nicht nur aufsaugen, sondern auch erstmal verarbeiten. Das tuts zum Beispiel im Schlaf. Oder dann, wenn es mit den Daten, die es gerade abspeichert, gerade nicht auch noch herumwerkeln muss – wie beim Rechner, der auch schneller arbeitet, wenn man ihn in Frieden lässt. Mit Abstand hat es wohl auch bei Blackmail geklingelt. Denn, Hand aufs Herz: "Anima Now!" von 2011 war eines ihrer schwächeren Alben. Das hat Gründe: Aydo Abay war eben weg, mit Mathias Reetz musste erstmal ein Neuer eingearbeitet werden. Drückte man eben ein Auge zu, gab der Band etwas Zeit und hoffte aufs Beste.

Jetzt, nach ausgiebigem Touren, steht fest: Aus der Zeit haben Blackmail was gemacht. Die Band hat zueinander gefunden, Mathias ist drin. Er spielt die zweite Gitarre, singt souverän, findet sein eigenes Melodiegefühl. Und siehe da: Blackmail sind wieder voll im Saft. "II" heißt die Platte, weil sie eben die zweite mit Mathias ist. Apropos Zwei: Das mit der zusätzlichen Gitarre haben die Koblenzer nun raus. Mit der haben Blackmail ihr seit langem wuchtigstes Album geschrieben.

Das achte Werk der Vier gaukelt mit einem Kinderchor in "Impact" zunächst Sicherheit vor, erschlägt dann aber mit gewichtigen Riffs. "Palms" später ist ein zügiger Drescher, den höchstens die frühen ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead so gestemmt hätten. Dann glücken Blackmail aber auch die zarteren Nummern wie "Day Of Doom" oder "Sleep Well, Madness" wiederum wie mit links. Schön, wie befreit der Laden in Koblenz wieder läuft und diese Platte flutscht. Das vorbildliche "The Rush" hat die Band dann nicht umsonst zur Single auserkoren: Der Song lässt die Fäden der Platte zusammenlaufen – und sogar mit Gesang von Kurt Ebelhäuser aufhorchen. Sind wir hier grad bei dessen Nebenprojekt Scumbucket? Schön, dass die neuen Gefüge in der Band durchlässig für solche Experimente sind.

Um zu relativieren: So heavy wie noch auf "Friend Or Foe" sind Blackmail jetzt nicht wieder geworden. Aber genau dorthin deutet "II" unmissverständlich. Vernünftige Richtung – vielleicht ist ihr achtes Album sogar eine Stufe auf dem Weg hin zu einem späten Meisterwerk. Aber selbst wenn nicht: Blackmail sind wieder in Höchstform. Und das allein ist schon mehr als eine gute Nachricht.

Gordon Barnard

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