Rezension

Black Foxxes

I'm Not Well


Highlights: I'm Not Well // Whatever Lets You Cope // River
Genre: Indie // Emo
Sounds Like: Brand New // Manchester Orchestra // Foxing // Thrice

VÖ: 19.08.2016

Schriftsteller Joey Goebel hat sich in seinem Roman „Torture The Artist“ wie kaum ein anderer mit der Frage auseinandergesetzt, ob großes Leid in besonderer Weise große Kunst hervorbringt. Sein Hauptprotagonist Vincent bekommt sogar extra einen Manager an die Seite gestellt, der dafür verantwortlich ist, dass es seinem „Schützling“ nicht allzu gut geht. Diesen braucht Black-Foxxes-Sänger Mark Holley sicherlich nicht. Mit seiner Morbus-Crohn-Erkrankung und fortwährenden Angstzuständen hat er bereits ein ausreichend großes Paket zu tragen. Konsequenterweise nennt er das Debüt seiner Band dann auch direkt „I'm Not Well“ und verarbeitet darin ebenjenes Leid.

Nun würde Holley wahrscheinlich selbst nicht behaupten, dass er mit dem Album einen großen Geniestreich geschaffen hat. Die Black Foxxes machen Indie-Rock mit Emo-Einschlag und klingen dabei unverschämt nach den frühen Brand New. Besonders Holleys Stimme klingt extrem nach Jesse Lacey. Nichts sonderlich Innovatives also. Was „I'm Not Well“ aber so besonders macht, ist seine Authenzität. Und damit wären wir auch wieder beim Ausgangsthema. Holleys Wut, Trauer, Verzweiflung, aber auch Hoffnung kommen in den 11 Songs einfach dermaßen überzeugend rüber, dass sein zerrissener Charakter förmlich greifbar wird. „I'm Not Well, Now Teach Me To Breathe!“ schreit der Sänger im Opener und mittendrin ist man in dessen Gefühlschaos. Es ist eine interessante und auch etwas voyeuristische Erfahrung, die man da als Zuhörer macht.

Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch weiß das Album der Black Foxxes letztendlich zu überzeugen. Klar, nichts Neues am Gitarrenhimmel. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Trio aus Devon (England) verdammt gute Melodien und Spannungsbögen in ihre Songs einzubauen weiß. Insbesondere die erste Hälfte ist richtig stark mit angesprochenem mitreißendem „I'm Not Well“, dem Hit „Husk“ und der über allem stehenden Hymne „River“, die zum Ende hin sogar noch echte Post-Rock-Einflüsse geltend macht. Das Ganze wird dann auch noch untermauert mit einer erdigen und sehr crispen Produktion von Adrian Bushby, der durch die Arbeit mit den Foo Fighters oder Muse einfach weiß, wie man Gitarrenbands richtig in Szene setzt.

Die Frage, ob Leid tatsächlich besonders kunstfördernd ist, kann „I'm Not Well“ abschließend zwar auch nicht beantworten, aber Kunst scheint zweifellos sehr gut als Ventil zu taugen, um die Auseinandersetzung mit den eigenen Dämonen zumindest in erträglichere Bahnen zu lenken. Auch wenn Schicksale von vielen Künstlern aufzeigen, dass dies oftmals nicht ausreicht, ist es dennoch gut zu wissen, dass Kunst mehr ist als ein bloßes Placebo.

Benjamin Köhler

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