Rezension

Big Red Machine

Big Red Machine


Highlights: I Won't Run From It // Deep Green
Genre: Indie-Folk // Elektronica
Sounds Like: Bon Iver // The Postal Service

VÖ: 31.08.2018

Wenn Indie-Darling Justin Venon aka Bon Iver und Aaron Desser von The National ein gemeinsames Album aufnehmen, kann bei so hohen Erwartungen eigentlich nur zumindest leichte Enttäuschung folgen. Doch weit gefehlt, denn unter dem Pseudonym und mit dem gleichnamigen Album „Big Red Machine“ veröffentlichen die beiden Granden des melancholischen Indie-Folk ein mehr als gelungenes Werk, das die Stärken beider zum Vorschein bringt und dann doch mehr ist als nur die Summe seiner Einzelteile.

Ein gewisser Projektcharackter mit hohem künstlerisch und ästhetischem Anspruch ist den Songs anzuerkennen: Elektronisch-vertrackte Computer-Beats, hibbelige Synthesizersequenzen und wabernde Soundflächen untermalen Vernons Vocals, die er in gewohnter Manier durch diverse Effektgeräte verzerrt und pitcht, aber dann immer auch wieder auf den cleanen Gesang zurückgreift – mal souly, mal gospelartig. Dessner steuert die charakteristischen verzerrt melancholischen Gitarrenläufe und Harmonien bei. Die zehn Tracks bestechen durch atmosphärischen Tiefgang, Liebe zum Detail und liebevoll strukturierten Arrangements.

Die Folk-Hymne „I Won’t Run For It“ ist noch einer der geradlinigsten und klassisch folkigsten Songs des Albums – und gleichzeitig einer der Besten, was vor allem beweist, dass sich künstlerisch-avantgardistischer Anspruch mit schönen, herzerwärmenden Folksongs vereinbaren lässt. „Gratitude“ baut sich über knapp sechs Minuten auf einer einzigen, sich wiederholenden Gitarrensequenz auf und der Opening-Track „Deep Green“ besticht durch den hymnischen Refrain, der neben hibbeligen Drummachine-Beats so passend wirkt, als hätte es nie eine andere Kombination gegeben.

Auch wenn gerade Vernon sich in den letzten Jahren besonders durch seine Experimentierfreudigkeit in unterschiedlichen Konstellationen auszeichnen konnte und nie wirklich vorhersehbar war, was das Folk-Mastermind als nächstes in die Plattenregale stellen lässt, ist „Big Red Machine“ dann doch ein Album, das genau die Erwartung erfüllt ohne dass man wusste, was zu erwarten war. Große Künstler zeichnen sich eben durch genau das aus: Hoffnungen zu erfüllen, von denen man nicht wusste, dass sie existierten. Gleichzeitig wird Big Red Machine ihrem vermutlich unbewusst selbst auferlegtem Bildungsauftrag gerecht: Den Horizont des Indie-Mainstreams durch künstlerisch-avantgardistischen Anspruch zu erweitern.

Abhilash Arackal

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