Rezension

Biffy Clyro

Opposites


Highlights: Victory Over The Sun // Sounds Like Balloons // The Joke's On Us // Spanish Radio
Genre: Alternative Rock
Sounds Like: Foo Fighters // Hundred Reasons // Six.By Seven // 3 Colours Red

VÖ: 25.01.2013

Mit "Only Revolutions" haben sich Biffy Clyro 2009 in der britischen Chartlandschaft etabliert und wandten sich musikalisch dem so verhassten Stadionrock zu. Was alteingesessene Anhänger der Band zur Weißglut brachte, eröffnete der Band den Weg in den Mainstream. Als die drei Schotten 2011 ihren Sechstling ankündigten, war schon früh klar, dass sie den eingeschlagenen Weg weiterführen würden. Oder erwartete tatsächlich jemand ein bodenständiges Alternative/Prog-Rock-Doppelalbum? Doppelalben sind vorbelastet, zu langatmig und zu viele mittelmäßige Lieder. Was die Foo Fighters allerdings mit "In Your Honor" nicht schafften, ist Biffy Clyro mit "Opposites" gelungen: Die Vorurteile zu entkräften.

Mit "Different People" knüpft die Band sogleich nahtlos an "Only Revolutions" an. Balladesker Gesang, von Keyboard und seichter Gitarre unterstützt, langsam durch ein Schlagzeug aufgebaut und in einer Stadionrock-Hymne mündend, erinnert es stark an "Many Of Horror". Das Thema Stadionrock wird allgemein zu Beginn überreizt, Biffy Clyro kommen Kollegen wie Nickelback und 3 Doors Down gefährlich nahe. Fans der älteren Generation, die die Hoffnung auf ein neues "Justboy" oder "57" noch nicht begraben hatten, würden das spätestens hier nachholen. Dass die Band es aber deutlich besser kann, beweist sie mit den restlichen Songs der ersten CD. Schlichte, durchdringende Instrumentierung und ein bombastischer Gitarrensound prägen das Bild der ersten CD und halten beinahe durchgehend hohes Niveau, weshalb sie Vergleiche mit den starken letzten beiden Alben standhalten kann.

Auch die zweite Scheibe zeigt, was Biffy Clyro über die letzten fünf Alben besonders ausgemacht hat: Variabilität. Die Band bietet eine vielfältige Palette Musik, bei der für jeden etwas dabei ist, vom Gitarrensound bis zur Blasmusik. Hervorzuheben ist dabei der Song "Victory Over The Sun", der als Paradebeispiel für das Album dient. Was zu Beginn balladenähnliche Züge annimmt, steigert sich durch dynamische Instrumentierung zu einem auf den ersten Blick vollkommen anderen Lied, welches mit dem Refrain eins der Highlights des Albums innehat.

Somit haben Biffy Clyro ein gutes Doppelalbum geschaffen, was nach den ersten Hörproben in der Form nicht zu erwarten war. Ob man das Ganze nicht auf ein normales Album hätte kürzen können? Wahrscheinlich – in Deutschland erschien diese zurechtgestutzte, möglicherweise tatsächlich etwas rundere Version sogar alternativ. "Opposites" hat einige Schwächen und Lückenfüller und ist nicht das beste Werk der Band. Es ist aber trotz allem eine gute Platte, die den eingeschlagenen Weg fortsetzt, den Sound perfektioniert und insgesamt trotzdem die Stärken der Band hervorhebt. Die musikalische Vielfalt, der häufig widersprüchliche Songaufbau, die Mischung aus „härteren“ Gitarrenriffs und ruhigeren Balladen und die Dynamikwechsel machen das Album trotz der vielen Veränderungen zum legitimen Nachfolger von "Only Revolutions".

Lewis Wellbrock

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