Rezension

Biffy Clyro

Ellipsis


Highlights: Wolves Of Winter
Genre: Stadionrock // Pop-Rock
Sounds Like: Imagine Dragons // Foo Fighters // Muse

VÖ: 08.07.2016

Vor mehr als drei Jahren zeigten Biffy Clyro mit "Opposites" bereits, dass sie sich musikalisch zwar immer weiter von ihren Wurzeln entfernten, aber dennoch ein wirklich ordentliches Album hervorbringen konnten. Nun kommt mit Ellipsis das siebte Studioalbum der Schotten, das den eingeschlagenen Weg eindeutig weitergeht. Und um es einmal vorwegzunehmen: Wer der Vorab-Single „Wolves Of Winter“ schon nichts abgewinnen konnte, kann eigentlich direkt die Finger von „Ellipsis“ lassen.

Denn auch wenn es hart klingt, die Platte ist ein ziemlicher Schuss in den Ofen. Zwar hatte auch „Opposites“ schon den einen oder anderen Füller dabei, trotzdem konnte man im Großen und Ganzen die Stärken der Band heraushören. Aufeinander abgestimmte Instrumentierung und druckvolle Gitarren ergänzten sich gut mit Simon Neils vielseitiger Stimme, auch wenn schon seit langem klar war, dass die Band ihre Songs eher für die große Bühne und nicht die kleinen, stickigen Klubs schreibt. Jetzt haben Biffy Clyro jedoch diesen Tanz auf der Rasierklinge nicht mehr gemeistert. Die Songs wirken komplett uninspiriert zusammengeschustert, hier mal etwas klischeehaftes Balladiges, dort mal ein paar laute Gitarren, alles zusammen mit kreativen Texten á la Help me, why can’t this be love? // Tell me why can’t this be enough? // When is high ever high enough?. Einzeln kann man über diese Aspekte ja mal hinwegsehen, aber in dieser Häufung geht es einfach unglaublich schnell auf die Nerven. Bestes Beispiel ist dabei wohl „Re-Arrange“, Zu Beginn klingt das Lied sogar kurz so, als hätten sich Biffy Clyro entschieden, neuerdings Theme-Songs für Anime-Serien zu schreiben. Nach den gesamten gut dreieinhalb Minuten ist man jedoch nur froh, die ganzen dü-dü-dü-dü-dü-dü-düs und lada-ladas wieder aus dem Kopf zu bekommen und ärgert sich über die verschwendete Lebenszeit.

Dass es trotz allem Leute gibt, die diese Musik mögen würden, war klar. „Ellipsis“ ist das erste Nummer-Eins-Album der Schotten in Deutschland, was vielleicht das Schlimmste an der gesamten Platte ist. Es ist eher unwahrscheinlich, dass das siebte Werk der Band nur ein Ausrutscher war und sie sich danach wieder auf ihre alten Stärken besinnen. Das würde wahrscheinlich niemand tun, nach einem kommerziell so erfolgreichen Album. Das bedeutet für alteingesessene Fans: stark sein, vielleicht mal „Blackened Sky“ oder „Puzzles“ einlegen und mit einem weinenden und einem lachenden Auge realisieren, was für grandiose Musik die Band einmal geschrieben hat – und wie weit sie nun davon weg ist.

Lewis Wellbrock

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Video zu "Wolves Of Winter".

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