Rezension

Belako

Plastic Drama


Highlights: The Craft // Sirène // marinela2017 // Profile Anxiety
Genre: Post-Punk
Sounds Like: La Plata // Eskorbuto // Berri Txarra

VÖ: 28.08.2020

Eigentlich wollten Belako mit ihrem vierten Album endlich raus in die Welt. Mungia, ihre Heimatstadt, und der Rest von Spanien feiern sie bereits. Mit „Plastic Drama“ sollte 2020 zu ihrem Jahr werden – Konzerte in den USA und auf großen europäischen Festivals waren bereits fest geplant. Allzu gerne wäre man dabei gewesen, denn das Album ist voll von großartigen Festivalhymnen. Sollte, wollte, wäre - seufz.

Zwar kein Festivalauftritt, aber ein feines Album präsentieren sie dennoch. Die Single „Tie Me Up“ eröffnet das Album mit wirbelnden Hooks, die den Zuggang leicht machen. Der Touch von DIY und rohem Sound lässt sich schon hier erahnen. Er zieht sich durch das gesamte Album. Weiterhören lohnt sich, denn „The Craft“ ist eine von diesen Hymen, die ein bisschen an den Britrock der frühen 2000er erinnert, insbesondere wenn es am Anfang heißt: „Ours is the power // Now is the time // This is the hour // The power of time“. Wer sieht sich da nicht auf verstaubtem Boden tanzen und laut mitsingen? Nach gut einer Minute brechen die Gitarren durch und das war‘s – die Menge tobt. Auch „marinela2017“ und „Profile Anxiety“ ziehen locker mit. Kurzweilig und vielfältig sind die einzelnen Tracks und das Album als Ganzes. Das Manko ist vielleicht, dass ein bisschen der musikalische rote Faden fehlt und das Songwriting recht simple gehalten ist. Das wissen Belako aber geschickt mit ihren Lyrics auszugleichen, in denen sie explizite Sozialkritik platzieren, die man ihnen auch inhaltlich abnimmt. Der Titel „Plastic Drama“ verweist dabei auf die Dramen, die sich im Kopf abspielen und oftmals gar nicht schlimm sind, wie gedacht wird. Homophobe Einstellungen werden angeprangert, sowie grenzenloser Konsum und – der Titel des Albums lässt es erahnen – der Umgang mit Plastik und das Zumüllen des Planeten. Nicht zuletzt bei „Truth“ muss man schmunzeln, wenn Romantik als ein Konstrukt besungen wird: „Romance is a weapon // It ensures our exploitation // That way we become our own coppers // Romance is a weapon”.

Belako sind direkt, laut und einfach umwerfend. Es bereitet großen Spaß, ihnen zuzuhören und gegen die Misere in der Welt anzusingen. Sie wecken die Sehnsucht nach einem Festivalsommer, nach Livekonzerten und danach, eng zusammengedrängt mit Menschen eine Band zu feiern.  

Lina Niebling

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