Rezension

Beirut

Gallipoli


Highlights: Gallipoli // Corfu // Landslide
Genre: Folk
Sounds Like: A Hawk And A Hacksaw // Devotchka // Owen Pallett

VÖ: 01.02.2019

Fußballvereine, Formel-1-Ställe – warum werden nicht auch Musiker, wenn thematisch passend, von größeren Marken gesponsort? Beispiel Beirut alias Zach Condon: Kaum eine andere Band weckt mit ihrer Melange aus schwelgerischer Nostalgie und musikalischen Einflüssen aus aller Welt eine derartig große Reiselust, so dass Unternehmen wie Alltours ruhig die eine oder andere Tour sponsorn könnten, um ihr Logo auf der Bassdrum wiederzufinden.

Wobei Condon sich wahrscheinlich auch problemlos in Fluggutscheinen bezahlen lassen könnte: Vor seinem fünften Album „Gallipoli“ standen nicht nur Ausflüge in die gleichnamige Stadt in Apulien, sondern auch andere italienische Städte und New York City. Diese prägten den Sound des Albums ebenso sehr wie Condons Entscheidung, auf jeglichen Perfektionismus zu verzichten und jedes unabsichtlich entstandene atonale Knarzen ungeändert auf dem Album zu belassen. Und von diesen gibt es einige – so manche der genutzten Instrumente erwarb der Wahlberliner gebraucht, auch die alte, bereits von den ersten beiden Alben bekannte Farfisa-Orgel ist wieder zu hören.

Und auch Condons Händchen für wunderschöne Songs ist Gott sei Dank nicht arthritisch geworden: Der Titelsong erinnert an das herrliche Debüt „Gulag Orkestar“, das instrumentale „Corfu“ swingt leicht vor sich hin, „Landslide“ schließlich weckt dank erwähnter Farfisa-Orgel Assoziationen zu romantisierten Spaghetti-Western hervor – ganz ähnlich wie das abstruse Musikvideo des Songs.

Die Leichtigkeit in Condons Songwriting führt jedoch bei weitem nicht immer zu solch runden Ergebnissen: Eine Vielzahl an Stücken mäandert eher ziellos vor sich hin oder verliert sich in geradezu onamatopoetischen „Oooohs“ und „Aaaahs“ des Sängers. Dies passt zwar irgendwie in den Gesamtkontext des Albums. Doch wenn „Fin“ wie der Ende-Jingle einer Nachrichtensendung aus den 80ern dann nach einer knappen Dreiviertelstunde „Gallipoli“ beendet, ist die Sehnsucht nach fernen Ländern zwar immer noch gegeben – ebenso jedoch auch eher die nach dem Herauskramen von „Gulag Orkestar“ als dem Drücken der Repeat-Taste.

Jan Martens

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