Rezension

Band Of Horses

Mirage Rock


Highlights: Knock Knock // Everythings Gonna Be Undone
Genre: Indie-Rock // Pop-Rock
Sounds Like: My Morning Jacket // The Shins

VÖ: 14.09.2012

„Mirage Rock“ – ein Albumtitel, über den man durchaus kurz nachdenken darf: Rockmusik als Illusion? Illusionäre Musik? Klänge, die so unwirklich sind, dass man sie sich nur als Illusion vorstellen kann? Rock, bei dem man sich den Rest selbst denken muss? Und wichtiger: Was hat die Band Of Horses damit zu tun? Also, mal abgesehen davon, dass sie ihr nun viertes Album genauso getauft hat?

Als Dreampopper und/oder Indiepoprocker unterwegs zu sein, bringt einen offensichtlich zu gegebener Zeit an den Rand der watteweichen Eingängigkeit, ob man das nun will oder nicht. Das Talent der Band Of Horses, nämlich etwa ihr Hang zu blümerant-springenden Poprocksongs, kann tatsächlich irgendwann so weitflächig herankommen, dass es gleich ganz ins Flache abdriftet. Tut es auch.

Der Opener der neuen Platte ist typisch Pferdestärke: hampelnd-fröhliches Rumgestampfe an Gitarre und Schlagzeug, elegante Übergänge zum radiotauglichen, gleichzeitig nicht abgedroschenen Refrain. Genauso geht das dann erstmal weiter auf „Mirage Rock“ und bereits der vierte Song „A Little Biblical“ hat durch die immer gleichen Abfolgen und Rhythmen die Langeweile ein kleines bisschen für sich gepachtet, obgleich es immer noch durchaus sympathisch bleibt. „Dumpster World“ schießt endlich den Vogel ab, indem es vollkommene Substanzlosigkeit zum Thema zu haben scheint; wie man dies richtig umsetzen kann, zeigen die Jungs aus Seattle dann aber gleich selbst mit „Everythings Gonna Be Undone“. Schließlich wird mit dem Albumabschluss „Heartbreak On The 101“ entschlossen in den Schmalztopf gegriffen, es werden einem Streicher und Liebeslyrics um die Ohren gehauen und somit „Mirage Rock“ gebührend abgeschlossen. Dass das bei dieser Band fast schon ironisch und gleichzeitig ehrlich wirkt, ist eine Leistung für sich.

Hört sich alles gar nicht so schlecht an, auf der Platte der Horses. Problem ist nur, dass man nicht so genau weiß, wo man ansetzen kann, um die Grundessenz der neuen Platte zu ergreifen. Alles zerfließt in identisch klingender Gleichgültigkeit: Im Albumganzen wie auch in Bezug auf den typischen Sound der Band. So richtig Drive entsteht letztendlich auch genau aus diesem Grund nicht, was schade ist, da die Vorgängerplatten sich ganz anders präsentieren.

Wo hier nun also die Illusion bleibt, ist fraglich. Auch wo die sonst klingende Magie, der Zauber steckt, bleibt unbeantwortet und lässt den Hörer nur dumpf dasitzen. Das nächste Mal versucht man es vielleicht besser mit einem Zaubereranfängerset.

Silvia Silko

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Band Of Horses mit "Knock Knock"

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