Rezension

Balthazar

Fever


Highlights: Fever // Wrong Vibrations
Genre: Indiepop
Sounds Like: Milky Chance // Giant Rooks

VÖ: 25.01.2019

Das belgische Indie-Aushängeschild der 2010er-Jahre meldet sich nach vier Jahren Pause mit einem neuen Album zurück. Fast sechs Jahr Dauertouren seit dem Debüt „Applause“ von 2010 hat im Jahr 2014 nicht nur den Drummer, sondern im Anschluss zur „Tin Walls“-Tour vor drei Jahren auch Violinistin Patricia zum Austritt aus der Band bewegt. Doch die zum Eigenschutz selbst auferlegte Pause der Band waren alles andere als erholsame Sabbatjahre, denn anscheinend können die drei verbliebenen Musiker nicht, ohne etwas Musikalisches in die Welt zu setzen.

So veröffentlichte Sänger Jinte Deprez unter dem Namen J. Bernhard eine groovig-soulige R’n’B/Hip-Hip-Platte, die stark an Chet Faker erinnert, Marteen Devoldere sogar zwei Alben als Warhaus und Bassist Simon Casier unter dem Pseudonym Zimmerman eine Lo-Fi-Indierock-Platte à la The Strokes. Nun münden die Soloausflüge der Musiker also wieder in einem neunen Balthazar-Album und spurlos sind die Einzelabenteuer der Musiker nicht am Sound der Band vorbeigegangen.

Mit dem neuen Album steht die Band mit mindestens einem Bein mitten auf dem Dancefloor. Songs wie „Grapefruit“ oder „Fever“ leben von der groovig durchlaufenden 4/4-Basedrum, die genau an den richtigen Stellen pausiert und wieder einsetzte und somit einen Hauch Milky Chance in sich trägt – nur nicht ganz so stumpf und vorhersehbar, sondern mit cleveren Breaks und den typisch fein arrangierten Streicher- und Bläsersätzen. Der dezente Einsatz von Synthesizern in „Whatcha Doin“ und „You’re So Real“, die afrikanischen Percussions in „Changes“ oder die Popaffinität und Eingängigkeit in „Wrong Vibration“ kann als Überbleibsel der Solo-Ausflüge gewertet werden. Man bekommt das Gefühl, die Musiker haben durch die Erfahrungen und Möglichkeiten ihrer Soloprojekte ihre Ernsthaftigkeit hintenan gestellt und den Mut gefasst, Elemente in die Musik zu integrieren, die bisher außerhalb des Balthazar-Universums lagen. Die neu entdeckte Unbekümmertheit steht der Band exzellent, besonders dann, wenn sie diese mit alten Stärken und vertrauten Mustern kombinieren.

Diese Platte macht in erster Linie Spaß und ist über Strecken tanzbarer und verspielter als vergangene Alben, greift dann aber immer mal wieder auf Laid-back-Nummern mit den typischen groovigen Bassläufe zurück. Mit Ende Januar scheint das Veröffentlichungsdatum in der falschen Jahreszeit gewählt, denn die Platte klingt nach Sommer und Open Air. Aber das soll der Tanzlaune keinen Abbruch tun, spätestens dann auf den Festivalwiesen im Sommer.

Abhilash Arackal

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