Rezension

Badly Drawn Boy

Banana Skin Shoes


Highlights: You And Me Against The World // Colours // Is This A Dream
Genre: Singer/Songwriter // Folk // Indie-Pop
Sounds Like: Eels // Robert Forster

VÖ: 22.05.2020

Die fantastische Collage in dem Video zum lupenreinen Popsong „Is This A Dream“ ließ schon ahnen, dass der Badly Drawn Boy nochmal ernst machen will. Bissig beackert er das Weltgeschehen, welches wie er selbst tituliert, aus Chaos und Verwirrung besteht. Sogar der als Karikatur verewigte Trump bekommt sein Fett weg. Toller Song, vor allem wenn man bedenkt, dass es ganze sieben Jahre gedauert hat, bis Damon Michael Gough musikalisch wieder etwas von sich hören lassen hat. Nun zieht er auch gleich noch das Album „Banana Skin Shoes“ nach, bei dem er seinen Faible für spezielle Albumtitel beibehält und dieser sich wunderbar in die Reihe von „The Hour Of The Wilderbeast“, „Have You Fed The Fish“ oder „One Plus One Is One“ einreiht.

Als verschrobener Singer Songwriter startete der Engländer vor rund zwanzig Jahren und sein Debutalbum „The Hour Of The Wilderbeast“ wurde vor allem im UK eine kleine Sensation, woraufhin er anschließend den Soundtrack zu der Nick-Hornby-Verfilmung „About A Boy“ beisteuern durfte. Hier startete die Phase, die ihn eher in Richtung klassisches Songwriting trieb. Auf dem aktuellen „Banana Skin Shoes“ verfolgt er diesen Weg weiter. Er schafft es wie so oft, dass kein Song dem anderen gleicht und jedem ein gewisser Wiedererkennungswert inne wohnt. Nimmt man das streichergetragene „I Need Someone To Love“, welches vielleicht etwas zu offensichtlich mit der Radiotauglichkeit spielt, aber einen dann doch einlullt mit seinen schönen Melodien und der wie immer großartigen Stimme Goughs, die nicht zu altern scheint. Eine neue psychedelische Note bringt er bei „Colours“ ins Spiel. Der Song beginnt mit einem halluzinogenen Beach-Boys-Kanon, wird anschließend von einem wabernden Bass angetrieben und mündet in einen Bridge/Refrain-Mix, der für den Engländer doch etwas ungewöhnlich ist. Interessant zu sehen, dass er seinen Horizont immer noch erweitern kann. Richtig gut sind auch wieder einige der Balladen geraten, allen voran das percussionlastige „You And Me Against The World“, bei welchem Goughs butterweiche Stimme sich entlang einer wunderbar komponierten Melodie entlang hangelt. Das ist Burt-Bacharach-Niveau. Großartig.

Trotzdem muss man auch bei allem Abwechslungsreichtum anmerken, dass nicht jeder Song die Klasse der stärksten mithalten kann. Vielleicht wäre es besser gewesen anstatt 14 das ganze auf zehn Songs zu begrenzen. Nichtsdestotrotz beweist er mal wieder, was für ein begnadeter Songwriter er ist allein mit Songs wie „Colours“ und „You And Me Against The World“.

Marcus Schmanteck

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Video zu "Is This A Dream"

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