Rezension

Awakebutstillinbed

What People Call Low Self-esteem Is Really Just Seeing Yourself The Way That Other People See You


Highlights: Opener // Life // Stumble // Saved
Genre: Emo // Indie // Screamo
Sounds Like: American Football // The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die // Pinegrove

VÖ: 03.01.2018

Spotify, Youtube, Bandcamp – für junge aufstrebende Bands bietet das Internet vielfältige Möglichkeiten, die eigene Musik zu verbreiten. Das Problem ist eher, aus der riesigen Menge herauszustechen. Jeden Tag gibt es neue Songs oder neue Alben, die mit oder ohne Plattenvertrag veröffentlicht werden. Manchmal schaffen es Künstler durch Glück, manchmal durch Verbindungen in die Musikszene. Am schönsten ist es jedoch, wenn es schlicht durch gute Musik gelingt.

So lief es auch bei Awakebutstillinbed aus San Jose. Die Band um Sängerin Shannon Taylor ließ die Emo-Szene Anfang Januar durch ihr Debüt “What People Call Low Self-esteem Is Really Just Seeing Yourself The Way That Other People See You” aufhorchen. Nicht nur durch einen der besten Albumtitel des noch jungen Jahres, sondern mit rohen, lauten und unprätentiösen Indie-Klängen à la American Football. Schon der Beginn der Platte gibt die Richtung vor: Der Opener beginnt mit ruhigeren Gitarrenklängen und den Vocals Taylors, um dann zum Ende hin mit Drums und Bass lauter und ausufernder zu werden. Und auch aus Taylors gefasster Stimme wird im Verlauf des Songs lauter und verletzlicher Screamo. Glücklicherweise verlieren Awakebutstillinbed trotz dieses Rezepts nicht das Gefühl für schöne, schnörkellose Indie-Melodien. Dass sich „What People Call Low Self-esteem (…)“ mit Selbstzweifel, Depression und Angst beschäftigt, merkt man in jeder Zeile, trotz hier und da eher positiver klingender Melodien. Etwa in „Life“, dem Überhit des Albums, der zwar musikalisch durchaus tanzbar und optimistisch daher kommt, aber textlich eine komplett andere Richtung einschlägt: „I couldn't get my life back // I didn't stand a chance // All the pain within my past weighs heavy on my heart // The euphoria won't last // It'll tear your life apart”. Trotz dieses roten Fadens, der sich vom ersten bis zum letzten Song zieht, besticht “What People Call Self-esteem (…)” immer wieder auch durch musikalische Vielfalt. So klingt „Floor“ in Teilen sogar wie Radiohead zu „Pablo Honey“-Zeiten.

Was also lässt sich Awakebutstillbed eigentlich vorwerfen? Richtig, gar nichts. „What People Call Self-esteem (…)“ ist ein durchgängig sehr guter Erstling, der aus dem Wust an neuer Musik im Allgemeinen und dem Emo-Revival im Besonderen absolut verdient hervorsticht. Eins der ersten wirklich großen Ausrufezeichen mit Blick auf die Toplisten des Jahres 2018.

Lewis Wellbrock

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