Rezension

Austra

Future Politics


Highlights: Future Politics // Utopia // 43
Genre: Electro-Pop
Sounds Like: iamamiwhoami // Zola Jesus // The Knife // Light Asylum

VÖ: 20.01.2017

Utopien haben nicht gerade Hochkonjunktur in der aktuellen Popmusik. Doch davon ließ sich Katie Stelmanis, der kreative Kopf hinter Austra, keineswegs davon abhalten, eine ebensolche mit ihrem neuen Album „Future Politics“ zu entwerfen. Das Thema passt zu Austras drittem und bislang ambitioniertestem Album. So sind Utopien doch häufig viel komplexer als die ihnen verwandten Untergangsfantasien – sie beschreiben kein schlichtes Ende, sondern vielmehr die verworrenen Pfade der Zukunft.

Das Album ist ein Aufruf dazu, die Zukunft nicht den Schwarzmalern, Fatalisten und Hetzern zu überlassen. Stelmanis kommentiert das übergeordnete Thema des Albums mit folgenden Worten: „Es geht nicht darum, Hoffnung in die Zukunft zu setzen, sondern darum, dass jeder gefordert ist, an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken. Die Grenzen, wie die Zukunft aussehen wird, sind ebenso faszinierend wie endlos.“ In der ersten Single des Albums, „Utopia“, geht es zunächst um das entfremdete Leben in einer Stadt voller Unbekannter. Doch der Song beschreibt eine Alternative zu deren täglichem 9-to-5-Trott und zeichnet ein eher optimistisches Bild: „I can picture a place where everybody feels it, too / It might be fiction, but I see it ahead.“

Die elf eindringlichen Tracks auf „Future Politics“ eignen sich gleichermaßen für Kopfhörer und Dancefloor. Allen voran wohl der Titeltrack, der gar ein wenig an LCD Soundsystem erinnert. Sägender Beat und packender Refrain, Elektropop auf hohem Level. „Deep Thought“ sticht dann zum Ende des Albums wohl am meisten aus der ansonsten sehr konsistenten Sammlung heraus. Erinnert etwas an fernöstliche Meditationsmusik. Vielleicht soll das dazu dienen, tief durchzuatmen und die vorherigen Tracks noch einmal sacken zu lassen, bevor „43“ das Album abschließt. Und das – bevor sich doch zu viel Optimismus einschleicht – mit geisterhaften Melodien und einem tieftraurigen Text. Es geht um den Fall der 43 Studenten aus Iguala in Mexiko, die im Jahr 2014 spurlos verschwanden. Geschrieben sind die Lyrics aus Sicht einer Mutter, auf der verzweifelten Suche nach ihrem Sohn.

Christoph Herzog

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