Rezension

Ásgeir

In The Silence


Highlights: Summer Guest // Going Home // On That Day
Genre: Singer/Songwriter
Sounds Like: Bon Iver // Ben Howard // Teitur

VÖ: 24.01.2014

In Island gibt es Björk! Es gibt Sigur Rós! Aber das meistverkaufte Debütalbum aller Zeiten ist „Dýrð í dauðaþögn“ von Ásgeir Trausti, heute gerade einmal 21 Jahre alt. Jeder zehnte Isländer besitzt dieses Album. Doch in Island sind die Auftrittsmöglichkeiten begrenzt, spätestens nach den sieben Auftritten beim heimischen Iceland Airwaves Festival 2012 wollte Trausti hinaus in die Welt, mehr Leute sollten seine Musik hören. Und so wurde das Album komplett auf Englisch übersetzt, „In The Silence“ heißt es nun, und erscheint mit einiger Verzögerung Anfang 2014 auch in Deutschland. Ásgeir Trausti heißt nun, etwas catchier, nur noch Ásgeir. Der Weg zum Erfolg scheint geebnet, gerade mit prominenten Fans wie Björk. Doch was verbirgt sich hinter den Fakten? Was ist mit der Musik?

Die ist größtenteils schön, Ásgeir mischt klassische Songwriter-Elemente mit elektronischen Ideen. Er breitet gleich vom ersten Song „Higher“ an das aus, was man so gerne als Klangteppich bezeichnet. Stimmlich erinnert er dabei unglaublich an Justin Vernon. Doch „In The Silence“ könnte ruhig ein wenig rauer klingen – das Album ist schon sehr glatt produziert, oftmals zu pompös („Torrent“; „In Harmony“). So, wie man klingt, wenn die Vorzeichen schon auf Erfolg stehen. Manchmal ist weniger eben mehr. Einzelne Songs wie etwa „Going Home“ mit seiner düster-melancholischen Stimmung sind wunderbar, doch auf Albumlänge ist die Produktion etwas zu schwülstig geraten. Für Musik, die aus Island kommt wiederum, mag diese im Vergleich mit anderen isländischen Bands einfachere und glatte Musik dadurch paradoxerweise etwas Besonderes sein, daher möglicherweise der Erfolg.

Und was ist mit den Texten? Die sind nicht von Ásgeir selbst geschrieben, sondern von seinem 72 Jahre alten Vater. Auch übersetzt hat er sie nicht selbst, das hat niemand anderer als der britische Songwriter John Grant getan. Die Texte nehmen stets Rückbezug auf die Natur, richten den Blick gen Himmel, gleich die ersten Zeilen lauten: „I lift my mind to the sky / And I let it take flight / The wind carries to my ears / Precious songs of life“. Wenn schon mögliche Alleinstellungsmerkmale in der Musik geglättet sind, dann sind doch die Texte das, was einen Songwriter als Poeten ausmachen. Für diese kann man Ásgeir aber keine Credits anrechnen, außer dafür, dass er sie gesungen hat. Das ist natürlich schade. So bleibt „In The Silence“ in der Gesamtbetrachtung ein Album, das eben ganz gut ist, aber nichts Besonderes.

Daniel Waldhuber

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