Rezension

Animal Collective

Tangerine Reef


Highlights: Buffalo Tomato
Genre: Filmmusik // Psychdelic // Experimental
Sounds Like: The Flaming Lips // Mogwai // MGMT

VÖ: 17.08.2018

Wie über ein Album sprechen, das man eigentlich sehen müsste? Und damit ist nicht das mosaikartige Labyrinth des Covers oder das grünfarbene Vinyl gemeint, sondern das amerikanische Freaky-avantgarde-folk-Quartett Animal Collective sind (Mogwai oder Explosions In The Sky folgend) mit ihrem nun elften Album unter die Filmscorer gegangen. „Tangerine Reef“ erscheint nämlich im Internationalen Jahr des Riffs (Korallen-, nicht Gitarren-) und widmet sich in einem audiovisuellen Gesamtkunstwerk diesen faszinierenden Unterwasserwelten.

Ähnlich wie in dem bahnbrechenden Meisterwerk „Koyanosqatsi“ aus dem Jahr 1982, bei dem Neoklassik-Komponist Philipp Glass die Musik zum Film von Godfrey Reggio beisteuerte, liefert hier das künstlerisch-wissenschaftliche Videografenduo Coral Morphologic den visuellen Part. Den auditiven steuern Animal Collective in gewohnt psychedelisch-avandgardistischer Manier bei. Doch statt Zeitrafferaufnahmen von hektischen Städten und dem Eingreifen des Menschen in die Natur gibt es im Film zu „Tangerine Reed“ atemberaubende Aufnahmen von Korallenriffs. Beispielsweise wie sich eine Koralle eins nach dem anderen ihrer Fühler ableckt – so sieht es zumindest aus – faszinierend und eklig zugleich. Hinter den grellen Neonfarben der Korallen steht stets der schwarze Hintergrund als großes, bedrohliches Unbekanntes.

Dieses Unbehagen spiegelt sich in der dazugehörigen Musik. Wenn die Bilder der Unterwasserwelt nicht vorhanden wären, wäre das Weltall wohl eine der ersten Assoziationen beim Hören: fremdartig, ungewiss, dunkel und zugleich voller Leben. Im Animal-Collective-Universum erstmal nichts Besonderes, für den ungeübten Hörer aber sicherlich etwas befremdlich. Ohne jede Struktur und Raster schweben die Songs dahin: vibrierende Synthesizer, mäandernde Soundflächen, metallische Sounds, schwerelose Klänge und ein kaum wahrnehmbarer, verhallter Gesang aus der Tiefe. Mal pulsierend und das Leben in seiner Fülle widerspiegelnd, mal einfach nur beobachtend und sich psychedelisch-verträumt treiben lassend. Die Bilder fangen dabei die Schönheit im Detail ein, die Schönheit des Lebens an einem für den Menschen so sonderbaren wie einschüchternden Ort. Animal Collective untermalen dies passend, fangen diese Stimmung ein und geben ihr ihre eigene, neue Richtung.

Ein ästhetischer Beitrag zum Naturschutz, um die Achtsamkeit jedes einzelnen von uns für unsere faszinierende Umwelt zu schärfen und ihre Schönheit wiederzuentdecken. 54 Minuten abtauchen in eine Welt, die zu verschwinden droht und die es zu erhalten gilt.

Abhilash Arackal

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